Deutschland, Norwegen, Roman

Anja Jonuleit. Das letzte Bild (2021)

Spannender Roman um einen echten Leichenfund im norwegischen Bergen.

1970 wurde in Bergen die Leiche einer Frau entdeckt, deren Identität bis heute nicht geklärt werden konnte. Das ist der reale Ausgangspunkt für diesen Roman von Anja Jonuleit, die hier der Frau eine fiktive Geschichte gibt und einen Mord aufklärt.

Unbekannte Verwandte

Die Autorin Eva Berghof stößt eher zufällig auf ein Phantombild in einer Zeitung und ist geschockt, denn die Frau sieht ihrer Mutter und auch Eva selber zum Verwechseln ähnlich. Doch Evas Mutter Ingrid tut das als Hirngespinst ab, sie blockt jedes Gespräch ab. Glücklicherweise jedoch hat Eva Zugang zu einigen alten Fotoalben der Mutter, wo sie ein Foto findet: ihre Mutter hatte tatsächlich eine Zwillingsschwester, die aber wohl früh verschwunden sein muss. Da Eva von ihrer Mutter nichts erfährt, macht sie sich in Norwegen auf Spurensuche.

Spurensuche in Norwegen

Als Biografin ist sie es gewohnt, in fremden Städten und Ländern zu recherchieren, aber dieses Mal geht ihr die Geschichte natürlich viel näher. Denn es ist nicht nur die Geschichte ihrer Tante, sondern auch die ihrer Großmutter, die scheinbar als Ärztin in Diensten der SS stand. Das hatte Evas Mutter nie erwähnt und Eva ist gehörig geschockt. Überhaupt kommen für sie jetzt einige historische Zusammenhänge der norwegischen und deutschen Geschichte ans Licht.

Kriegskind

In einem zweiten Erzählstrang berichtet Autorin Januleit vom Leben ebendieser Tante, Margarete Gruber. Das fängt bereits mit der Kindheit an, wird aber glücklicherweise nie langatmig, denn einige prägnante Szenen reichen ja, um auch diese Figur lebendig werden zu lassen. Diese parallele Darstellung von zwei Frauen in unterschiedlichen Zeiten und Lebenszusammenhängen macht den Roman sehr spannend und auch sehr lesenswert. Beide Figuren wirken sehr lebensnah, zeigen unterschiedliche Emotionen und bieten Identifikationspotenzial.

Gelungene Mischung aus Realität und Fiktion

Besonders gut gelungen ist die Mischung aus fiktiver Geschichte und realem historischem Hintergrund. Also nicht nur eine unterhaltsame und spannende Lektüre, sondern auch ein bisschen willkommene Nachhilfe in deutsch-norwegischer Geschichte!

Anja Jonuleit. Das letzte Bild. München, dtv 2021.

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