Frankreich, Krimi

Jean-Luc Bannalec. Bretonische Sehnsucht – Kommissar Dupin 13 (2024)

Mysteriöse Todesfälle auf der Île d’Ouessant: die Essenz der Bretagne.

In seinem 13. Fall in der Bretagne ermittelt Kommissar Georges Dupin auf der Insel Quessant. Dort wurde ein Inselbewohner, der glücklose Musiker Lionel, tot angespült. Er ist ertrunken, eindeutige Hinweise auf ein Verbrechen gibt es eigentlich nicht. Bis auf das Kreuz aus Wachs, das sich auf dem Kopfkissen des Toten findet. Hinter diesen Kreuzen steckt eine uralte Tradition der Insulaner, die mit diesen in einem strengen Ritus ihrer Vermissten gedachten. Allerdings wurde dies bereits jahrzehntelang nicht mehr durchgeführt.

La Druidesse

Dupin ist sicher, dass das Wachskreuz ein Hinweis auf einen Mord ist. Allerdings ist es genauso mystisch wie vieles auf der Insel, wovor ihn die alte Sybil warnt – ihrem Ruf nach eine der letzten echten Druidinnen der Bretagne. Sie warnt Dupin von all den Dämonen der Insel, vor den Sirenen und den Nixen … und auch wenn der Kommissar nicht an Übersinnliches glaubt, hat er in seinen Jahren in der Bretagne dazugelernt. Und die alte Dame beeindruckt ihn auch. Als sie dann allerdings einen weiteren Toten an der Küste findet, muss Dupin sich fragen, ob sie nicht doch mit den Todesfällen zu tun hat.

Les Sirènes

Zu den Verdächtigen auf der Insel gehören die fünf „Sirenen“, fünf junge Frauen, die unter diesem Namen keltische Musik machen. Zu ihnen gehört auch die berühmte Rayanne, die vor Kurzem von Irland zurück auf ihre Heimatinsel gezogen ist. Sie verbirgt ein Geheimnis, wie sollte es anders sein. Aber das größte Geheimnis verbirgt die Insel selber, die näher an keltischen Traditionen scheint als irgendein anderer Ort in der Bretagne. Als Kontrast zu den uralten Riten und Mythen ermitteln Dupin und sein Team auf der so gut wie autofreien Insel mit dem E-Bike.

La Musique

Neben der Insel, ihrer Landschaft und ihren Leuchttürmen spielt die keltische Musik hier ein ganz große Rolle, sie hält auch den Schlüssel zu den Mordfällen parat. Das ahnen Dupin, Riwal und Le Menn von Anfang an – bloß in welcher Form? Wo liegt das Motiv? Das Team saust auf seinen E-Bikes kreuz und quer über die Insel, um die Lösung zu finden.

Sehnsucht

„Bretonische Sehnsucht“ – der Titel dieses Krimis enthält die Warnung vor den Nebenwirkungen: Er weckt die Sehnsucht nach der Bretagne. Nach so viel Natur und Meer, nach den Menschen, die dieses erhalten wollen, die ihre uralte Kultur erhalten wollen, nach Einfachheit und Ursprünglichkeit. Das ist es in meinen Augen, was die Krimis von Jörg Bong auszeichnen: Sie erzählen nicht nur einen spannenden Fall und die koffeingetriebenen Ermittlungen des sympathischen Protagonisten, sondern sie machen die Bretagne für uns Leserinnen und Leser lebendig. Sie bringen uns die Mythen und das Keltische näher, das bis heute dort gepflegt wird. Kurz: ein klasse Krimi und eine hervorragende Werbung für die Bretagne!

Jean-Luc Bannalec. Bretonische Sehnsucht. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2024. (Kommissar Dupin 13)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalley.de!

Und was meinst du dazu?