Roman, Schweiz

Marie Benedict. Frau Einstein (2016)

Marie Benedict erzählt die Geschichte von Einsteins erster Frau, Mileva Maric, die ebenfalls Physikerin war, aber im Schatten ihres Mannes verschwand.

Die junge Serbin Mileva Maric kommt 1896 nach Zürich, um dort am Polytechnikum Physik zu studieren. Ihr Leben lang war sie mit ihrer Intelligenz und ihrer Neugierde eine Außenseiterin, doch in Zürich trifft sie auf einmal junge Frauen, die ebenso wie sie studieren möchten. Eine völlig neue Welt tut sich für Mileva auf. Am Polytechnikum ist sie erst vorsichtig, sich als einzige Frau unter Männern mit richtigen Antworten hervorzutun, scheint ihr nicht geraten. Doch immerhin gibt es einen Komilitonen, der sie nicht abfällig mustert: Albert Einstein.

Mileva und Albert

Der junge Mann lädt sich bald selbst zum gemeinsamen musizieren in die Pension ein, in der die Studentinnen leben. Mileva und er freunden sich an, vor allem über ihre gemeinsame Leidenschaft, die Physik. Sie diskutieren neue Aufsätze und die Entdeckungen anderer Physiker, sie stellen Theorien auf und Mileva fühlt sich endlich angekommen. Albert scheint ihren Intellekt zu schätzen und sie als gleichwertige Partnerin zu sehen. Schließlich werden die beiden auch ein Liebespaar. Eine Heirat ist geplant – sobald Albert eine feste Stelle gefunden hat. Eilig scheint er es nicht zu haben.

Eine große Idee

Mileva wird schwanger und bekommt ihre Tochter alleine bei ihren Eltern, sie muss das Baby bei ihnen lassen, als Albert sie in seiner Nähe haben möchte – aber nur ohne Baby. Doch über die Physik kommen sie sich immer wieder näher und gemeinsam verfassen sie wichtige Aufsätze. Auch einen über die Relativitätstheorie. Im Roman stammt die Idee von Mileva, als sie nach dem Tod ihrer Tochter zurück zu ihrem Mann reist, kommt sie auf die „verrückte“ Idee. Und obwohl ursprünglich ihrer beide Namen auf dem Aufsatz standen, wird er nur unter Alberts Namen veröffentlicht.

Licht und Schatten

Albert Einstein wird zu einem gefeierten Wissenschaftler, und seine Frau Mileva gerät immer mehr in den Schatten, wird immer unsichtbarer. Wegen ihrer Beziehung zu Albert hatte sie nicht einmal ihr Studium richtig abgeschlossen, obwohl sie eigentlich richtig gut war. Weil sie nie als Mitautorin der Aufsätze genannt worden war, hat sie keine Chance als Wissenschaftlerin. Und für Albert ist sie längst nicht mehr interessant …

Realität und Fantasie

Vieles in diesem Roman beruht auf Fakten, aber bei Weitem nicht alles. Wie groß der Anteil Milevas an der Forschung Alberts wirklich war, ist umstritten, Belege gibt es natürlich nicht. Aber es könnte so gewesen sein, wie es Marie Benedict in ihrem Roman erzählt. Albert Einstein als Egomane – so unwahrscheinlich kommt einem das gar nicht vor. Vielleicht, weil Benedict so viele Details bemüht, vieles, was gut recherchiert scheint. Auf jeden Fall gelingt ihr ein guter Blick auf die Frau hinter dem Erfolg des Wissenschaftlers.

Marie Benedict. Frau Einstein. Köln, Kiepenheuer & Witsch 2018. | The Other Einstein. Naperville, Sourcebooks Landmark 2016. Übersetzt von Marieke Heimburger

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