Italien, Krimis

Bruno Varese. Die Tote am Lago Maggiore – Matteo Basso 1 (2016)

Der Mailänder Polizeipsychologe Matteo Basso hat seinen Job an den Nagel gehängt und ist nach Cannobio zurückgekehrt, um die Metzgerei seines Vaters zu übernehmen. Gerne probt er das Angeln am Lago und genießt die Ruhe seines neuen Lebens. Doch als eine gute Freundin tot aus dem See geborgen wird, kann er nicht an einen Unfall glauben und macht sich auf die Suche nach einem Mörder.

Ein geheimnisvolles, mutmaßlich dramatisches Ereignis hat Matteo Basso aus Mailand vertrieben, jetzt sucht er Ruhe im heimatlichen Cannobio am Lago Maggiore, wo er die Metzgerei seines Vaters übernommen hat. Er liebt sein Dorf, kennt fast alle Bewohner von Kindesbeinen an und seine Leidenschaften für Zigaretten, Oldtimer und Opern kann er hier pflegen.

Ermittlungen aus Schuldgefühl

Als die Leiche von Gisella Tonetti am Ufer des Lago gefunden wird, glaubt die Polizei, es handele sich um einen Unfall beim Schwimmen. Basso ist anderer Meinung, Gisella war eine hervorragende Schwimmerin. In der Nacht vor ihrem Tod hatte sie versucht, Basso anzurufen und wollte ihn um Hilfe bitten. Doch als Handygegner hatte Basso sein Handy nicht bei sich, sondern hört die Mailbox-Nachricht erst später. Wobei brauchte sie Hilfe? Hätte er ihren Tod verhindern können? Basso fühlt sich schuldig und beginnt, ein paar Nachforschungen anzustellen.

Verdächtige und Spuren

Am Abend vor ihrem Tod war Gisella bei Franco Maldini, der sich höchst verdächtig benimmt. Aber das tun auch Paolo, ein anderer guter Freund von Gisella, und ihre Schwester Ana. Basso verfolgt eine Spur nach Mailand zu einem exklusiven Juwelier, sogar zu den Roten Brigaden in Italiens Vergangenheit. Dabei erfährt er einiges über seine gute Freundin, was ihn maßlos überrascht, und er muss sich fragen, ob diese Freundschaft Gisella ebenso viel bedeutet hat wie ihm. Rückendeckung bei seinen Ermittlungen erhält Basso von einem Alt-Herren-Trio, das sich in der Zwischenzeit um seine Metzgerei kümmert, und überraschenderweise von der unkonventionellen Kommissarin Nina Zanetti.

Nette Urlaubslektüre

Alles in allem ein ganz nett zu lesender Krimi, sprachlich glatt mit einigem Lokalkolorit. Ein paar Manierismen muss man dabei tolerieren, sodass die Metzgerei nie als solche bezeichnet wird, sondern immer – vermeintlich eleganter – als Macelleria, aber natürlich wecken die Wörter ganz unterschiedliche Assoziationen. Die vielen Spuren kratzen oberflächlich an diversen gesellschaftlichen Problemen und verweisen auf einen bedeutenden Fall, die Überführung des tatsächlichen Mörders ist dann am Ende sehr überraschend, aber viel zu simpel. Unterhaltsame Lektüre für einen Urlaub am Lago Maggiore.

Bruno Varese. Die Tote am Lago Maggiore. Ein Fall für Matteo Basso. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2016. (Matteo Basso 1)

Mehr zum Autor und zu seiner Krimiserie auf der Autorenseite Bruno Varese.

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