Italien, Krimis

Ann Baiano. Sizilianisches Verderben – Luca Santangelo 3 (2018)

Während Journalist Luca Santangelo einen Freund bei Filmaufnahmen in einem Kloster unterstützt, stirbt die Äbtissin. Kann es sich wirklich um einen Mord handeln? Santangelo nimmt, beinahe widerwillig, Ermittlungen auf. Seine Freundin Ada findet derweil ein altes Tagebuch, das auf sonderbare Weise mit den aktuellen Ereignissen verknüpft zu sein scheint.

Früher war das große Kloster mitten in Palermo ein mächtiger geistlicher Ort, sehr viele Nonnen lebten hier. Heute sind nur noch drei betagte Nonnen in dem reichen Kloster übrig, das Gebäude und die Schätze des Klosters haben längst Begehrlichkeiten geweckt. Als Fernsehjournalist Matteo Aiello eine Reportage über das Kloster dreht, in dem seine Tante, Madre Benedetta, die Äbtissin ist, hat Luca Santangelo die Rolle des Kameraassistenten übernommen. Doch während der Aufnahmen bricht Madre Benedetta zusammen und stirbt kurz darauf.

Historische Liebesgeschichte

Währenddessen stöbert Lucas Freundin Ada, eine Übersetzerin, in der Bibliothek des Klosters. Dort findet sie in einem als Buch getarnten Versteck einen alten Brief und ein Tagebuch, das ihre Aufmerksamkeit weckt. In einem parallel erzählten – größeren – Handlungsstrang erfährt der Leser vom Leben der jungen „Lili“, die in den 1830er-Jahren aufwächst. Schon früh wird die freiheitsliebende junge Frau für ein Leben im Kloster bestimmt. Ihr Vater kann das nicht verhindern, erkauft ihr aber einige Privilegien in ihrem Kloster in Palermo. So lernt Lili den jungen Adeligen Corrado Moncada kennen und verliebt sich … Die Liebesgeschichte nimmt natürlich kein gutes Ende.

Mögliche Motive

Schon vor dem Tod der Äbtissin scheinen sich im Kloster sonderbare Dinge zugetragen zu haben, wertvolle Gegenstände sind verschwunden, Schatten huschen durch die Gänge. Seit Wochen hatte die Äbtissin nicht näher definierte Spritzen vom Hausarzt der Nonnen erhalten, seitdem ging es ihr aber zunehmend schlechter. Ein langsamer Mord? Hätte der Arzt Anselmo Spataro ein Motiv? Immerhin verdient sein Bruder viel Geld mit Immobilien. Oder hatte Madre Benedetta entdeckt, wer die Schätze des Klosters mitgehen ließ und denjenigen zur Rede gestellt? Doch das könnten eigentlich nur der Hausmeister Antonio Napoli oder der im Kloster angestellte Konditor Gaetano Di Stefano gewesen sein. Oder hat jemand Fremdes einen Weg ins Kloster gefunden?

Mehr historischer Roman als Krimi

Als Regionalkrimi steht auch bei dieser Geschichte das sizilianische Setting sehr im Mittelpunkt, nicht nur die heute scheinbar übliche Korruption, mit der Santangelo als Journalist regelmäßig zu tun hat, sondern auch Aspekte des Lebens des Adels im 19. Jahrhundert – verpackt in eine rührselige Liebesgeschichte, der innerhalb des Krimis sehr viel Raum gegeben wird. Die Krimihandlung gerät daneben fast ins Hintertreffen, ohnehin gibt es keine systematischen Ermittlungen, Santangelo ist manchmal zufällig vor Ort, hört oder erfährt irgendwie etwas, aber sehr motiviert scheint er die Rolle des Detektivs nicht zu übernehmen. Vieles im Laufe der Handlung scheint zufällig oder willkürlich, so richtig ist ein Spannungsbogen nicht erkennbar. Spannung ist also eher Mangelware in diesem Krimi … Wer aber an Sizilien interessiert ist und vielleicht auch historische Romane mag, der wird dennoch die unterhaltenden Elemente des Romans zu schätzen wissen. Eifrige Krimileser mögen eher enttäuscht werden.

Ann Baiano. Sizilianisches Verderben. Luca Santangelo ermittelt. München: Goldmann, 2018. (Luca Santangelo 3)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Mehr zur Autorin und ihren Krimis auf der Autorenseite Ann Baiano.

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