Frankreich, Krimis

Anne Chaplet. In tiefen Schluchten – Tori Godon 1 (2017)

Belleville, ein kleines Dorf in den Cevennen. Hier passieren sonderbare Dinge: Ein Tourist verschwindet, ein schwatzhafter Alter fällt die Treppe runter, sein Neffe wird erschossen … Der Witwe Tori Godon machen diese Vorfälle zu schaffen, vor allem weil ihr Haus irgendwie in die Geschichte verstrickt zu sein scheint.

Viktoria Godon, genannt Tori, Anfang 40 und ehemals Patentanwältin in Frankfurt, lebt nach dem Tod ihres Mannes im gemeinsam gekauften Haus in Belleville in den Cevennen. Noch hält sie Trauer gefangen, doch sie hat ein paar Kontakte im Dorf und in der Umgebung. Zum Beispiel Eva, eine Alt-68er-Aussteigerin, die Zimmer an Touristen vermietet. Dass ihr holländischer Gast Adriaan verschwunden ist, nimmt sie recht gelassen, die Polizei will sie nicht einschalten.

Ein verschwundener Tourist

Auch Nico gehört zu Toris Freunden, auch ein Deutscher, ehemals Polizist, der sich auch in seiner neuen Heimat Frankreich gerne in die Ermittlungen einschaltet. Doch auch beide gemeinsam können den örtlichen Polizisten nicht dazu bewegen, nach dem verschwundenen Touristen zu suchen. Also macht sich Tori an diese Aufgabe und hält bei ihren Wanderungen in der Umgebung Ausschau. Auch ein Foto, das sie bei den Sachen des Touristen gefunden hatte – offensichtlich aus dem Zweiten Weltkrieg -, macht Tori neugierig.

Ein geschichtsträchtiges Haus

Auf der Suche nach einem Projekt, mit dem sie ihre Zeit sinnvoll verbringen kann, stößt sie auf die geplante Ausstellung des Dorfes zu seiner Geschichte. Toris Haus, das Maison Sarrasine, ist das älteste des Dorfes und verbirgt einige Geheimnisse. Da in Belleville die Zeit der Huguenotten-Verfolgungen immer noch präsent zu sein scheint und auch ihr verstorbener Mann auf solche Vorfahren zurückblickte, macht sich Tori an die Arbeit. Ihr vielversprechendste Quelle scheint einer der Senioren des Dorfes zu sein: Didier Thebon. Allerdings ergeht dieser sich nur in düsteren Andeutungen, er spricht von einer „Schande“ des Dorfes. Bevor Tori sich erneut mit ihm unterhalten kann, ist Thebon tot. Angeblich die Kellertreppe hinuntergestürtzt.

Nette Unterhaltung

Tori stellt also im Laufe des Buches ein paar Fragen, rettet einen Hund, entdeckt ein Geheimversteck in ihrem alten Haus und geht dazwischen viel wandern oder auf den Markt. Wer eine richtig spannende Krimihandlung sucht, der wird hier eher nicht fündig. Es gibt keine Befragungen, sondern viel Raten und Kombinieren, die Ermittlungen führt Kommissar Zufall. Wer allerdings einen Faible für Geschichte und/oder französische Landschaften hat, der wird in diesem Krimi ganz nett unterhalten. Immerhin gehören die Cevennen sonst nicht zu den Krimi-Hotspots in Frankreich.

Anne Chaplet. In tiefen Schluchten. Ein Kriminalroman aus dem Süden Frankreichs. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2017. (Tori Godon 1)

Mehr zur Autorin und ihren Büchern auf der Autorenseite Anne Chaplet.

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