England, Unterhaltung

Catherine Alliott. Liebeszirkus (dt. 2008)

Das Scheitern einer Ehe und die Entdeckung des Landlebens sind die Themen des Romans “Liebeszirkus” von Catherine Alliott. 607 Taschenbuch-Steiten gönnt die Autorin der Story von Imogen Cameron – überwiegend eine amüsante Lektüre für die Leserin auf der Suche nach ein netter Ablenkung. Ein Happy End gibt es natürlich auch.

Imogen Cameron ist seit zehn Jahren verheiratet mit Alex. Sie ist seine zweite Frau, das Scheitern seiner ersten Ehe hat sie als seine Sekretärin miterlebt. Scheidungsgrund war eine Affäre Alex‘ mit seiner langjährigen Freundin Eleanor. Und auch über Imogens Ehe scheint Eleanor als stete Bedrohung zu schweben. Da ist Imogen natürlich nicht begeistert, als Gatte Alex verkündet, die Familie müsse aus finanziellen Gründen aufs Land ziehen, und zwar in ein kleines Cottage auf Eleanors Besitz.

Londonerin auf dem Land

Das Landleben reizte Imogen noch nie, sie fürchtet um die Treue von Alex und die Bildung von Sohn Rufus (6). Tatsächlich zeigt das Landleben seine Tücken, besonders natürlich das Vieh, um das Imogen sich kümmern soll. Außerdem vermisst sie ihre beste Freundin Kate.

Doch Sohn Rufus gewöhnt sich schnell ein, Imogen braucht ein wenig länger. Aber sie stellt überrascht fest, dass sie in der freien Natur besser malen kann und verkauft sogar etliche Bilder – das macht ihr das Landleben sympathischer.

Betrügt ihr Mann sie?

Imogens Sorgen drehen sich um ihre Ehe: Alex erträgt das Pendeln nicht lange, sondern beschließt schnell, die Woche über in London zu bleiben. ‘Damit er es leichter hat, Eleanor zu treffen’, argwöhnt Imogen. Und so beobachtet sie genau, analysiert und sucht Zeichen. Ein Anruf bei ihrer alten Freundin Kate sichert Alex das Einlieger-Appartement in deren Haus. Imogen ist ein wenig beruhigt: Kate wird sicher von Frauenbesuchen bei Alex berichten und Eleanor ist zur Zeit gar nicht in der Stadt.

Verrat schmerzt mehr als Ehebruch

Ein Überraschungsbesuch in London bringt Imogens Welt dann zum Einsturz: Sie sieht Alex und Kate turtelnd aus einer Bar kommen. Und stellt fest, dass der Verrat der Freundin sie mehr schmerzt als das doch vorhersehbare Ende ihre Ehe. Imogen flüchtet sich zurück aufs Land und bemerkt in ihrer Trauer, dass sie sich dort zuhause fühlt. Als Mutter kann sie sich nicht lange in ihrer Trauer vergraben, das Leben ihres Sohnes soll keinen allzu großen Riss bekommen. Doch der sechsjährige Knirps macht sich über seinen Vater keine Illusionen mehr.

Natürlich bekommt Imogen ihr Happy End – ein neuer Mann, was sonst? Und auch rund um sie herum scheint die Welt endlich wieder in Ordnung zu kommen: Ihre lange geschiedenen Eltern kommen wieder zusammen, ihre Schwester bekommt das lang ersehnte Baby, Eleanor verlässt Mann und Kinder und zieht mit ihrem Geliebten weg.

Abschalten, entschleunigen und mitfühlen

Obwohl die Story also voller Klischees ist, wie man sie in einem Frauenbuch erwartet, ist der Roman doch gut zu lesen. Imogens Blickwinkel und ihre Gefühle sind sehr anschaulich geschildert, relativ realitätsnah und ohne hochdramatische Aktionen. Als Leserin kann man mitfühlen und nachvollziehen, wenn man sich auf die ein wenig langsamere, aber realistischere Gangart des Romans einlassen kann. Langweilig wird es trotzdem nicht, dafür sorgen schon die amüsanten Episoden aus dem Landleben und aus Imogens eigenwilliger Familie.

Ein schönes Buch zum Abschalten und zum Entschleunigen – obwohl der deutsche Titel Liebeszirkus nicht besonders glücklich gewählt ist. Der englische Originaltitel (A Crowded Marriage) gefällt mir wesentlich besser. Bloß wie könnte man den übersetzen?

Catherine Alliott. Liebeszirkus. München: Blanvalet, 2008. | A Crowded Marriage, 2006.

Und was meinst du dazu?