England, Krimis

Deborah Crombie. Mourn Not Your Dead – Kincaid/James 4 (1996)

Commander Alastair Gilbert wurde in seinem Wohnort Holmbury St. Mary ermordet. Gefunden wurde er von seiner Frau Claire und ihrer Tochter Lucy, beide stehen unter Schock. Aber zu trauern scheint niemand, weder in Gilberts Heimatdorf, noch unter seinen Polizei-Kollegen. Scotland Yard wird eingeschaltet und Duncan Kincaid ermittelt wieder einmal außerhalb von London.

Kincaid und Sergeant Gemma James wissen nach einer gemeinsamen Nacht (am Ende des vorherigen Bandes) nicht so recht, wie sie mit der neuen Situation und miteinander umgehen sollen. Das macht die Zusammenarbeit nicht gerade leicht und bietet Autorin Crombie viele Gelegenheiten, Privat-Menschliches einzuflechten. Als Leserin verfolgt man interessiert Gemmas Zweifel und Duncans Frust deswegen, doch das lenkt nie vom Fall ab, sondern macht die Ermittler nur menschlich.

Ein unbeliebtes Opfer

In Holbury St. Mary war Gilbert nicht beliebt, jeder hegte scheinbar Groll oder Wut gegen den pedantischen und machtbesessenen Polizisten. Pubbesitzer Brian, sein Sohn, Pfarrerin, Ärztin, die Besitzerin des Dorfladens – alles interessant gezeichnete Figuren übrigens – jeder könnte Geschichten erzählen, tut es aber nicht, denn im Dorf hält man zusammen. Dass viele Dorfbewohner in der letzten Zeit kleine Diebstähle gemeldet hatten, scheint eine erste Spur zu sein. Duncan kann diese Diebstähle aufklären, doch da zeigt sich die starke Dorfgemeinschaft.

Der hochrangige Polizist Gilbert

Auch auf der Dienststelle Gilberts gab es Unregelmäßigkeiten: Gilbert wurde mit einem Informanten gesehen, obwohl er dafür in der Polizei-Hierarchie eigentlich längst zu weit oben war. Sein Untergebener David Ogilvie arbeitete eng mit Gilbert zusammen, als dieser vor vielen Jahren seine Frau Claire kennengelernt hatte. Ihr erster Mann war bei einem Autounfall ums Leben gekommen, den Gilbert und Ogilvie untersuchten. Ogilvie war der fähigere Polizist, Gilbert wurde befördert. Zusammenhänge, die auch Ogilvie verdächtig machen.

Tod und Schuldgefühle

Da Gemma ihre erste Zeit bei der Polizei unter Gilbert verbracht hat, nutzt sie ihre Kontakte zu seiner Dienststelle und trifft ihre frühere Kollegin und Freundin Jackie wieder. Die wird neugierig auf den Fall, stellt aber dann wohl eine Frage zu viel und wird auf einer nächtlichen Streife erschossen. Ein einschneidendes Erlebnis für Gemma, die sich die Schuld gibt.

Aufklärung mit Happy-End

Allerdings gibt dieser tragische Tod Duncan die Gelegenheit, sich um Gemma zu “kümmern”, und Gemma einen Anlass, über das Leben nachzudenken … sodass am Ende nicht nur der “Mörder” gefasst wird, sondern es auch ein richtiges Happy-End gibt. Amüsantes Detail am Rande: Zum ersten Mal benutzt Duncan in diesem Band ein “pocket phone”, Gemma allerdings hat noch keines.

Zwei Genres in einem Roman

Kein Grund zur Trauer ist der vierte Band der Serie um Duncan Kincaid und Gemma James und wieder einmal sehr gut und flüssig zu lesen. Aus meiner Sicht liest man hier sogar zwei Romane in einem: Der Krimi steht zwar im Vordergrund, aber auch der Liebesroman ist sehr schön und gut in die Alltagsarbeit der Ermittler eingeflochten. Dazu kommen noch ein englisches Dorf mit ein paar exzentrischen Bewohnern und ein paar Postkarten-Idyllen, die Gefahren von Macht und ihrem Missbrauch, Tod und Gewalt und die Kunst, aus seinem Leben das Beste herauszuholen.

Deborah Crombie. Mourn Not Your Dead. New York: Scribner, 1996. | Kein Grund zur Trauer. Goldmann, 1996. (Kincaid/James 4)

Mehr zur Autorin und ihrer Serie auf der Autorenseite Deborah Crombie.

2 Gedanken zu „Deborah Crombie. Mourn Not Your Dead – Kincaid/James 4 (1996)“

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