Deutschland, Krimis

Simone Buchholz. Schwedenbitter – Chas Riley 3 (2011)

Hamburg im November, zwei tote Amerikaner in einem vernachlässigten Haus, Immobilienspekulanten und korrupte Behörden, eine Freundin, die schwanger ist, ein Freund, der zurück auf den Kiez will, und einen gefährlich attraktiven neuen Kollegen – volles Programm für Staatsanwältin Chastity Riley.

Der Krimi beginnt mit Chas‘ Husten – und schon mit den ersten Sätzen gelingt es Autorin Simone Buchholz den Leser in den Bann zu ziehen. Dabei geht es noch gar nicht um einen Kriminalfall oder nur nebenbei: „Das ist kein Anfängerhusten. Alle paar Minuten kommt ein hässlicher alter Hofhund aus meinen Lungen gekrochen, und der rasselt beim Bellen ziemlich übel mit der Kette. Ich sollte im Bett liegen und eine Tasse Tee trinken, statt hier in HSV-Land rumzustehen und zwei alten Rednecks auf ihre zerschmetterten Köpfe zu kucken.“

Die Alten

Diese ersten drei Sätze zeigen schon, wo es im Krimi langgeht: Eine wunderbar schnodderige und sehr kreative Sprache, eine toughe Ich-Erzählerin und zwei tote Amerikaner. Lorraine und Walt Tucker waren ein älteres Ehepaar, er Waffennarr, sie Kirchenfanatikerin. Die Wohnung ist die letzte bewohnte in einem Haus, das ansonsten schon entmietet ist und jetzt dringend saniert werden müsste, unten hausen Obdachlose. Die beiden Toten wurden scheinbar totgeprügelt und dann noch erschossen – was verursacht so viel Wut und Grausamkeit?

Der Neue

Staatsanwältin Chas Riley ist wie immer von Anfang an dabei und unterstützt „ihr Team“, wo es nur geht. „Der Calabretta“ ist der Ermittler, auch wenn jetzt die Stelle „vom Faller“ wieder besetzt wird. Mit einem Karrieristen, der Anzug trägt im Kommissariat und schon deshalb misstrauisch beäugt wird: „der Inceman“. Dieser Neue hat einen Blick drauf, mit dem Chas nicht so gut umgehen kann. Brückner und Schulle suchen derweil Zeugen für den brutalen Mord, es dauert aber eine Weile, bevor sie fündig werden und die Ermittlungen vorangehen.

Spuren

Beschäftigt sind alle natürlich trotzdem. Chas mit ihrem Husten, mit Freund Klatsche, der unbedingt eine Kiez-Kneipe übernehmen will, mit Freundin Carla, die schwanger ist und mit „dem Faller“, der als Rentner jetzt Privatdetektiv geworden ist und von der Nichte der Toten auf den Fall angesetzt wurde. Die gesammelten Spuren von Chas‘ Team führen schließlich unter anderem zu einem dänischen Immobilieninvestor und ins Hamburger Baudezernat …

Kurz und knackig

Vielleicht sollten wir es alle öfter halten wie Chas Riley – und nicht so viele Worte machen: ein klasse Krimi, kurz und knackig, mit interessanter Protagonistin und herrlich kreativer Sprache. Ein absolutes Highlight!

Simone Buchholz. Schwedenbitter. Ein Hamburg-Krimi. München: Droemer Knaur, 2011. (Chas Riley 3)

Mehr zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Simone Buchholz.

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