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Cay Rademacher. Der Fälscher – Frank Stave 3 (2013)

Ein interessanter Krimi rund um die Währungsreform 1948, die das historische Ambiente besonders lebendig werden lässt. Schon allein deshalb wirklich lesenswert!

Nach einer lebensgefährlichen Schussverletzung beschließt Oberinspektor Frank Stave, nicht mehr zur Mordkommission zurückzukehren. Sein Versetzungsgesuch zum „Chefamt S“, wo es um die Bekämpfung des Schwarzmarktes in Hamburg geht, wird zwar belächelt, aber genehmigt. Dabei ist die Abteilung bereits in Auflösung, denn der „Tag X“ steht bevor, die Alliierten führen neues Geld ein. Zwar weiß niemand, was genau kommt, aber dass sich der Schwarzmarkt verändern oder gleich ganz abschaffen wird, scheint sicher.

Eine Leiche mit Kunst

Deshalb wird Stave zu seinem ersten Einsatz auch nicht dorthin geschickt, sondern zum Fundort einiger Kunstgegenstände in einer Ruine. Dass dort auch eine Leiche gefunden wurde, darf Stave nicht mehr interessieren – doch als er mitbekommt, dass Kollege Dönnecke komplett ignoriert, dass alles auf einen Mord hindeutet, kann Stave nicht untätig bleiben. Mit Staatsanwalt Ehrlich schmiedet er ein Komplott: Unter dem Vorwand der Kunstgegenstände soll Stave heimlich auch in dem Mordfall ermitteln und nebenbei herausfinden, warum Dönnecke die Ermittlungen boykottiert.

Blüten

Damit nicht genug taucht auch McDonald auf, Kollege der englischen Besatzungsmacht, mit dem Stave bereits in den beiden vorherigen Bänden ermittelt hat. McDonald bringt zwei Blüten, die auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht sind. Seine Vorgesetzten befürchten einen Sabotageakt, der auf die Währungsreform abzielt.

Stave bekommt also gut zu tun. Nebenbei möchte er auch sein Privatleben endlich wieder in Ordnung bringen. Das Verhältnis zu seinem Sohn ist angespannt und die Trennung von Anna von Veckinhausen betrauert er auch immer noch.

Unterhaltsame Geschichtslektion

Ermittlungen anno 1948 und Alltag im zerbombten Hamburg – das erzählt Cay Rademacher auch in diesem letzten Stave-Band noch einmal sehr anschaulich. Die große Verunsicherung vor der Währungsreform, mit Hunger und Warenknappheit überall, und der plötzliche Überfluss nach dem „Tag X“, die euphorische Aufbruchsstimmung in Hamburg, dieser Alltag enthält schon so viel Spannung, dass der Kriminalfall die fast gar nicht mehr braucht. Aber auch der lohnt die Lektüre und bereichert diese unterhaltsame Geschichtslektion auf jeden Fall.

Cay Rademacher. Der Fälscher. Köln: Dumont, 2013. (Frank Stave 3)

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