Frankreich, Krimis

Christine Cazon. Das tiefe blaue Meer der Côte d’Azur – Kommissar Duval 6 (2019)

Cannes Ober-Bösewicht Louis Cosenza erschießt den Liebhaber seiner Frau und arrangiert das Ganze als Selbstmord. Routiniert und recht kaltblütig. Aber nur auf den ersten Blick erfolgreich, Kommissar Léon Duval wartet schon lange darauf, Cosenza das Handwerk zu legen.

In brütender Augusthitze muss Kommissar Léon Duval im Todesfall Raphael Picot ermitteln, der junge Fischer hat sich scheinbar selber erschossen. Ein Abschiedsbrief legt nahe, dass Picot eine Situation nicht mehr ausgehalten hat – welche? Hatte er Geldsorgen? Vielleicht Spielschulden? Befragungen in der Nachbarschaft enthüllen erst nach geraumer Zeit, dass regelmäßig eine Frau zu Picot in die Wohnung kam, die er sich nur für diesen Zweck geliehen hatte. Eine Affäre mit einer verheirateten Frau womöglich?

Ohne Beweise

Während Duval mit seinem Team versucht, die ersten Rätsel zu lösen, kennt der Leser bereits alle Antworten. Im ersten Kapitel begleitet der Leser Cosenza quasi bei dem Mord, erfährt das Warum und Wie. Miträtseln geht hier nur bei der Frage, wie Duval den Täter drankriegen will. Denn Beweise gibt es so gut wie keine, der Profi Cosenza kennt alle Tricks und Schlupflöcher und hat auch genug Geld für die besten Anwälte. Doch mit einer List und einem kooperativen Staatsanwalt gelingt so manches …

Ermittlungen

Auf dem Weg dahin laufen natürlich über weite Strecken die üblichen Ermittlungen und Befragungen, die erst langsam ein wenig Licht in den Fall bringen. Duval scheut auch den direkten Kontakt zu Cosenza nicht, auch wenn seine Vorgesetzten ihn davon lieber abhalten wollen. So lernt Duval auch Cosenzas jüngsten Sohn kennen, der wiederum den Toten kannte, der auch gelegentlich an den Pokerrunden teilgenommen hatte. Also doch Selbstmord wegen Spielschulden?

Leservorsprung

Dadurch dass der Leser den Täter und den genauen Ablauf der Tat bereits kennt, kann nicht wirklich Spannung aufkommen und der Krimi plätschert eher dahin. Das ist zwar atmosphärisch sehr gut gemacht, die Charaktere sind wie gewohnt sympathisch, auch mal mit Ecken und Kanten, es gibt nette Gespräche und die lähmende Hitze kann man gut nachvollziehen – aber der Krimi liest sich doch eher wie ein nett-unterhaltsamer Mittelmeer-Roman als wie ein Krimi.

Träge

Wer rasante Krimi-Spannung zum Miträtseln sucht, ist hier definitiv falsch. Wo der vorherige Band, Wölfe an der Côte d’Azur, noch mit viel Hintergrundwissen zum bäuerlichen Leben im Hinterland punkten konnte, herrscht hier nur lähmende Hitze und Trägheit. Der kann sich auch der Leser hingeben und in aller Ruhe verfolgen, wie Kommissar Duval sich abmüht, um auch den Wissensstand des Lesers zu erreichen. Innerhalb der Serie mal ein ganz anderer Aufbau des Krimis, der leider nicht so ganz überzeugen kann.

Christine Cazon. Das tiefe blaue Meer der Côte d’Azur. Der sechste Fall für Kommissar Duval. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. (Kommissar Duval 6)

Mehr zur Serie und zur Autorin auf der Autorenseite Christine Cazon.

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