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Kerstin Cantz. Fräulein Zeisig und der frühe Tod – 1 (2019)

München 1962: Ein Mädchenmörder nutzt die Schwabinger Krawalle für seine Zwecke. Die Polizei ist überfordert und „Fräulein Zeisig“, eine der wenigen weiblichen Kriminalbeamten, entdeckt ihren Ehrgeiz, endlich richtig ermitteln zu dürfen.

Der Krimi nimmt uns mit auf eine Zeitreise in eine gar nicht so ferne Vergangenheit. 1962 will niemand mehr über den Krieg reden, die Wirtschaft boomt und bei der Polizei gibt es endlich auch ein paar Frauen. Wie Elke Zeisig, Anfang 20, und ehrgeizig. Als Kommissar Manschreck sie zum Fundort einer Leiche kommen lässt, hofft Fräulein Zeisig, dass sie an der Aufklärung des Verbrechens mitarbeiten kann. Sonst sind die paar Frauen eigentlich nur dafür zuständig, Mädchen und evtl. Frauen zu befragen, überwiegend geht es eigentlich um soziale Fragen.

Ein bisschen mit ermitteln

Und jetzt eine echte Leiche! Fräulein Zeisig ist betroffen, das Mädchen war erst sechs Jahre alt und wurde auf einem Trümmergrundstück sorgfältig in einem Liegestuhl drapiert. Und es sieht beinahe so aus, als wolle Kommissar Manschreck sie an der Ermittlung beteiligen, sie darf ihn sogar chauffieren! Allerdings holt ihre Abteilungsleiterin sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Aber trotzdem … es gibt weitere Mädchenleichen und von der Seitenlinie darf Fräulein Zeisig hin und wieder doch ein bisschen was tun – oder tut es einfach.

Parallel zu diesen Ermittlungen treibt sich der jüngere Bruder Volker auf den Schwabinger Straßen herum, er wird auch verhaftet, Elke Zeisig möchte ihn schützen, aber Volker ist auf Abenteuer aus. Die findet er unter anderem bei „Valeska“, die dann bei Fräulein Zeisig im Kommissariat auftaucht und doch noch ein dunkles Kriegskapitel ans Licht zerrt.

Filmische Dramaturgie

Die Anfänge von Frauen bei der Ermittlung von „ernsten“ Verbrechen lesen sich sehr unterhaltsam. Ein interessanter Einblick, der auf jeden Fall spannender ist, als die tatsächliche Auflösung des Falles. Auch die kurzen Szenen aus den Schwabinger Krawallen kommen recht authentisch rüber. Man merkt den Szenen und der Dramaturgie an, dass die Autorin eher im Film zu Hause ist, die Dialoge sind häufig kurz oder eher nichtssagend, Überlegungen sind eher Mangelware. Aber als kleine Zeitreise ist dieser kurze Krimi doch unterhaltsam.

Kerstin Cantz. Fräulein Zeisig und der frühe Tod. München: Knaur, 2019. (Fräulein Zeisig 1)

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