Deutschland, Literatur, Romane

Mariana Leky. Was man von hier aus sehen kann (2017)

Ein Roman über ein Dorf im Westerwald und seine skurrilen Bewohner – faszinierend und fesselnd, aber auch ein bisschen deprimierend.

Ein Okapi spielt eine gewichtige Rolle am Anfang des Romans, das wird immer sofort mit diesem Buch assoziiert: Denn immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand im Dorf. Wen es treffen wird, weiß allerdings niemand. Also bereiten sich manche vor, manche vermeiden jegliche Gefahr, verlassen an dem Tag nicht das Haus. Selmas Enkelin Luise beobachtet interessiert das Verhalten der Dörfler – und dann trifft es ihren Freund, der auf dem üblichen Weg zur Schule aus dem Zug fällt. Aber auch in der folgenden Fassungslosigkeit und heftigen Trauer ist es Oma Selma, bei der Luise Zuflucht findet.

Dorfgewächs

Jahre später lebt Luise in der nächstgrößeren Stadt und macht eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Weiter weg von ihrem Dorf und ihrer Oma möchte sie gar nicht, auch wenn ihr Vater mittlerweile nur noch durch die Welt reist. Dass sich Luise dann ausgerechnet in einen buddhistischen Mönch verliebt, der eigentlich in Japan lebt, das können wohl nur Oma Selma und ihr Freund, „der Optiker“ verstehen. Wie immer unterstützen sie Luise …

Das Dorf als Panoptikum

Das Dorf bietet noch weitere skurrile Bewohner, von denen Mariana Leky erzählt. Ihr Ton ist dabei recht nüchtern und sachlich, aber jede und jeder wird absolut ernst genommen, mit allen Macken und Eigenheiten. Doch richtige Wärme kommt in diesem Buch kaum rüber, lediglich zwischen Luise und ihrer Oma. So wirkte die ganze Geschichte auf mich eher wie ein Panoptikum, eigenartige Dorfbewohner werden zur Schau gestellt, damit wir städtischen Leser:innen sie bestaunen und ihre Deformationen betrachten können. Und froh sein, selber nicht in einem Dorf leben zu müssen, wo man ganz offensichtlich einfach seltsam werden muss.

Fasziniert war ich bei der Lektüre schon, aber auch mit ein bisschen schlechtem Gewissen ob meines Voyeurismus. Dabei kann ich mir aber nicht vorstellen, dass das die Intention hinter diesem Roman war …

Mariana Leky. Was man von hier aus sehen kann. Köln: Dumont, 2017.

Und was meinst du dazu?