England, Krimis

Elizabeth George. A Great Deliverance – Inspector Lynley 1 (1988)

Der erste Fall für den adeligen Scotland-Yard-Inspector Thomas Lynley und die eigenwillige Barbara Havers in Yorkshire.

Der Krimi hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber die Serie ist nach wie vor höchst erfolgreich. Und begeistert mich immer noch mit ihrer psychologischen Tiefe. Erst im letzten Jahr ist der 21. Band, Something to Hide, erschienen und hat mich wieder gefesselt, trotz seiner beachtlichen Länge. Da lockte mich ein Reread der ersten Bände, ist schließlich lange her. Wie fing das noch mal alles an?

Neues Dream-Team

Barbara Havers hat sich im Yard bereits gehörig unbeliebt gemacht, niemand kann mit ihr zusammenarbeiten, so ist sie wieder zur Arbeit in Uniform zurückgekehrt. Doch als ein Priester aus Yorkshire auftaucht und von einem Mordfall berichtet, beschließt ihr Chef, dass er eigentlich niemanden entbehren kann. Also muss Inspector Lynley ran, der eigentlich Urlaub hat, und Barbara Havers erhält eine allerletzte Chance.

Vorurteile

Dass diese ausgerechnet an Lynley geknüpft ist, macht ihr schwer zu schaffen: Mit seiner adeligen Überlegenheit und seiner Beliebtheit bei Frauen ist er für Havers ein rotes Tuch. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Zusammenarbeit, auch wenn Havers beschließt, sich alle Mühe zu geben und bloß nichts Falsches zu sagen. Für Lynley ist es ein Rätsel, warum sich Havers so eigenartig benimmt – aber er hat andere Sorgen. Gerade hat nämlich seine große Liebe Deborah seinen besten Freund geheiratet, ein Verlust, über den er einfach nicht hinwegkommt. Eine eindringliche Illustration, wie Vorurteile wirken können! Denn natürlich hat auch Havers ihre Geschichte.

Blutiger Tod

Der Fall macht den beiden natürlich auch zu schaffen: Eine junge Frau hatte scheinbar ihren Vater mit einer Axt enthauptet, sie wurde mit dem Werkzeug und voller Blut neben der Leiche gefunden. Aber seitdem sagt sie kein Wort mehr. Als Lynley und Havers in dem kleinen Dorf eintreffen, stellen sie als Erstes fest, dass die bisherigen Ermittlungen mehr als schlampig geführt wurden, und das auch noch von einem alten Feind Lynleys. Der will Scotland Yard auch jetzt nicht helfen. Dafür wollen das sehr viele Leute in dem kleinen Dorf, das sehr katholisch zu sein scheint. Auch der Tote, William, war sehr gläubig und ein eifriger Kirchgänger. Wer aus dem Dorf könnte ihn so sehr gehasst haben und warum?

Krimi-Elite

Elizabeth George gelingt es schon in ihrem Debüt-Krimi eine komplexe Welt zu entwerfen, mit unterschiedlichen Charakteren, mit einem ausgefeilten Beziehungsgeflecht, mit intensiven Gefühlen und menschlichen Abgründen – einem Fall, aus dem trotz allem der Keim einer eigenwilligen Freundschaft zwischen den beiden Ermittlerfiguren entsteht. Ja, auf jeden Fall ein Reread, der sich gelohnt hat! Und ein Krimi, den man immer noch unbedenklich empfehlen kann – nein: den man unbedingt empfehlen sollte -, wenn es mehr Tiefgang sein soll!

Elizabeth George. A Great Deliverance. New York: Random House, 1988. | Gott schütze dieses Haus. München: Blanvalet, 1989. (Inspector Lynley 1)

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