Literatur, Romane, USA

Meg Wolitzer. The Wife (2003)

Das Ehepaar Castleman ist auf dem Weg nach Helsinki, wo Joe einen begehrten Literaturpreis gewonnen hat. Auf dem Flug dorthin beschließt Ehefrau Joan, dass sie genug hat, sie wird sich endlich von ihrem Mann trennen.

Natürlich ist es Joan, the wife, die in diesem kurzen Roman das Panorama ihres Lebens mit Joe entfaltet. Auf dem College hat sie sich in den bisher erfolglosen Schriftsteller Joe verliebt. Der hat das Talent der jungen Studentin erkannt, gemeinsam ist das Paar nach New York gegangen. Seine erste Frau und das gemeinsame Baby hat er verlassen. Von der ersten Zeit ohne Geld bis hin zum großen Erfolg ihres Mannes als Schriftsteller und der Familie mit drei Kindern erzählt Joan Anekdoten, Erfahrungen, von Begegnungen wie jener noch in den 1950er-Jahren mit einer Schriftstellerin, die ihr dringend abrät, als Frau diesen Weg einzuschlagen …

Die Rolle der Frau

Joans Erinnerungen passen in die wenigen Tage ihres Aufenthalts in Helsinki, rund um die Gratulationen und die Bewunderung für die Arbeit ihres Mannes Joe – doch das ist es wohl auch, was das Fass für die Ehefrau zum Überlaufen bringt: Denn Männern gehört einfach die Welt, für sie ist es selbstverständlich, dass die Welt ihnen etwas schuldet. Und in Joes Fall ist es die große Karriere als Schriftsteller. Und als Ehefrau fühlt Joan sich beinahe gezwungen, dazu beizutragen, was sie nur kann – und das ist in ihrem Fall eine ganze Menge. Doch erst jetzt mit Mitte 60 reicht es ihr, will und kann sie nicht mehr so weitermachen. Das mag auch mit den veränderten Zeiten zusammenhängen, seit den 50er-Jahren hat sich die Rolle von Ehefrauen doch ein wenig gewandelt.

Dem Ehemann gehört die Welt

Die Preisverleihung steht Joan noch durch, das ausgiebige Gelage danach bricht sie für sich ab. Und eröffnet ihrem Mann danach den Entschluss, sich zu trennen, sich scheiden zu lassen. Doch ganz wie in seiner bisherigen Rolle als Ehemann entzieht sich Joe diesem notwendigen Schritt, macht ein „Aufräumen“ für Joan unmöglich, indem er noch in Helsinki stirbt …

Nicht nur für Ehefrauen

Ein Roman, der wunderbar die Entwicklung des Ehepaares nachzeichnet, aus der sehr persönlichen Sichtweise der Ehefrau und mit einem Scharfblick, was die Rolle der Frau im Literaturbetrieb angeht, der einfach bewundernswert ist. Sehr gut lesbar ist die ganze Geschichte natürlich auch, höchst unterhaltsam mit seinen ironischen Spitzen und dem Blick zurück in die 1950er-Jahre und die New Yorker Bohème. Kein Wunder, dass dieser Roman auch in der Verfilmung so erfolgreich war! Auch die Lektüre ist auf jeden Fall zu empfehlen, nicht nur für Ehefrauen!

Meg Wolitzer. The Wife. New York: Scribner, 2003.

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