Frankreich, Krimis

Nicole de Vert. Provenzalische Rache – Bd. 2 (2019)

Ein Toter in einer Kapelle in der Provence, ein Video im Internet, in dem das Opfer seine Beteiligung an einer Gruppenvergewaltigung gesteht – und schon kommt „Privatermittlerin“ Margeaux wieder zum Einsatz, kräftig unterstützt von ihrem ehemaligen Kollegen, dem deutschen Polizisten Frank.

Deutsch-Französin Margeaux hat ihren Job bei der Polizei in Stuttgart aufgegeben und lebt jetzt in der Provence. Hier wird sie von Hilde versorgt, eine Ziehmutter-Haushälterin, hier lebt ihr Freund Thierry, ein begnadeter Bäcker, hier ist sie als Privatermittlerin gefragt. Das ist zwar nicht so aufregend wie früher die Arbeit bei der Polizei, aber für Margeaux wohl aufregend genug. Schließlich hat sie erst vor einem Jahr eine spektakuläre Mordserie aufgeklärt …

Grausame Spuren aus der Vergangenheit

Dieses Mal wird ein Toter in der nahe gelegenen Kapelle gefunden, ein guter Bekannter von Thierrys Vater. Dieser bittet Margeaux um Ermittlungen – ist er womöglich in den Fall verwickelt? Der Leser weiß bereits: Es gibt Verwicklungen nach Fulda, nach Mali, vor 29 Jahren. In Fulda sitzt ein junger Mann am Sterbebett seiner Oma, bei der er aufgewachsen ist. Vor 29 Jahren wurde eine junge Deutsche Touristin von mehreren Einheimischen brutal vergewaltigt. Zum aktuellen Mordfall muss es eine Verbindung geben, stellt Margeaux fest, denn das damalige Opfer und die Frau, die die Leiche in der Kapelle gefunden haben, tragen den gleichen Nachnamen. Zu viel des Zufalls.Ex-Kollege Frank hat gerade Zwangsurlaub und unterstützt die Ermittlungen, genau wie bei der legendären Mordserie vor einem Jahr …

Nervig

Auch wenn ich Krimis, die in der Provence spielen, grundsätzlich sehr wohlwollend gegenüber stehe, hat mich dieser hier nur genervt. Zum einen besteht er aus extrem vielen, teilweise extrem kurzen Szenen, bei vielen weiß man nicht, welche Personen überhaupt agieren, viele scheinen komplett isoliert vom restlichen Geschehen – und selbst wenn sich später rausstellt, dass die Person etwas mit dem Mordfall zu tun hat, bleibt doch rätselhaft, warum ausgerechnet diese eine kurze Szene so bedeutsam sein soll, dass sie aufgenommen werden musste.

Holprig

Die Sprache ist häufig nicht besonders gut lesbar, immer wieder stolpert man über viel zu steife Formulierungen. Ganz besonders wo das Steckenpferd der Autorin zur Sprache kommt, die Mimikerkennung, holpert die Sprache gewaltig. Da finden sich Sätze wie: „Die junge Frau schaffte es auch nicht, mit ihm in Resonanz zu gehen …“ Da schüttelt man sich als geübte Leserin doch sofort, das geht gar nicht anders.

Ärgerlich

Zu allem Überfluss muss man dann auch noch laufend lesen, wie hervorragend sich doch alle im letzten Fall geschlagen haben und dass sie da so außergewöhnlich erfolgreich waren alle zusammen – wobei der aktuelle Fall so klar und durchsichtig ist und auch durch die Schilderung der brutalen Vergewaltigung bestimmt nicht an Tiefe oder Qualität gewinnt. Auch die Figuren gleichen Abziehbildern und Koch- und Backleidenschaften wirken schrecklich aufgesetzt, als ob nur eine Rechtfertigung gefunden werden musste, um Rezepte in den Anhang zu packen, weil das ja gerade so gut ankommt bei den Käuferinnen.

Sorry, nein, dieser Krimi war so gar nicht mein Fall.

Nicole de Vert. Provenzalische Rache. München: Piper Verlag, 2019. (Provence-Serie Bd. 2)

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