Deutschland, Krimis

Oliver Bottini. Mord im Zeichen des Zen – Louise Bonì 1 (2004)

Im tiefsten Schnee läuft ein buddhistischer Mönch in Sandalen über Land – die Polizei im Dorf Liebau bei Freiburg ist beunruhigt. Freiburg schickt Kommissarin Louise Boní, die aber auch nichts über den Mönch herausfinden kann. Doch sie ist sicher, dass er verfolgt wird. Davon will allerdings ihr Chef Bermann nichts wissen und suspendiert sie erst einmal. Doch welche Roman-Detektivfigur ließe sich dadurch aufhalten?

Louise Boní arbeitet seit 20 Jahren bei der Kripo, spätestens seit dem Tod eines Verdächtigen hat sie ein gravierendes Alkoholproblem. Vielleicht spielt auch ihre verkorkste Kindheit eine Rolle, die Scheidung vom notorischen Betrüger Mick? Jedenfalls sind alle Ereignisse mit Schnee verbunden, der gerade heftig fällt. Nur widerwillig macht sich Louise auf den Weg nach Liebau, um nach dem Mönch zu sehen. Vor Ort erwarten sie die Polizisten Hollerer und Niksch, die dem Mönch ratlos und besorgt folgen.

Louises Schneemänner

Aus einem Impuls heraus folgt Louise dem Mönch schließlich eine Nacht lang. Er heiße Taro, soviel erfährt sie, und er wird verfolgt. Oder kann es sein, dass sie sich die schattenhaften Gestalten doch nur eingebildet hat? Davon ist jedenfalls ihr Chef Bermann überzeugt. Am nächsten Morgen beginnt Louise in Freiburg mit Nachforschungen, sucht nach einem Übersetzer und nach dem buddhistischen Kloster, aus dem der Mönch gekommen sein könnte. Viel erfährt sie nicht. Doch dann ist der Mönch verschwunden, Polizist Hollerer angeschossen und schwer verletzt, und Niksch ist gar tot. Noch ein Toter, der Louise tiefer in den Abgrund zieht.

Louises Jägermeistergedanken

Für Bermann ist der Mönch der Hauptverdächtige für die Taten und Louise mit ihrem Alkoholproblem ein Risikofaktor. Sie wird suspendiert, soll mit einer Psychologin reden, einen Entzug machen. Sie ist zwar geschockt, aber immer noch der Überzeugung, dass der junge Mönch in Gefahr ist, also stellt sie alleine weitere Nachforschungen an. Wenigstens Kollege Lederer unterstützt sie halbherzig mit Informationen. Louise besucht ein Kloster im Elsass, von wo Taro aufgebrochen ist, doch warum, kann ihr niemand sagen.

Louises Beharrlichkeit

Oliver Bottini hat hier eine komplexe Ermittlerfigur geschaffen, der ich mit Begeisterung durch ihre eigenwillige Ermittlung gefolgt bin. Das Alkoholproblem ist sehr glaubwürdig dargestellt, auch die Ursachen und der Umgang Bonìs mit ihrer Krankheit. Die Ausgangslage des Falles ist eher eine sehr ruhige, ein einsamer Mönch wandert durch den Schnee, alle sind ratlos, relativ lange sogar. Bis auf einmal ein Polizist tot und ein zweiter schwer verletzt ist – und jetzt ist Boni aus dem vermutlich hektischen Geschehen der Ermittlertruppe ausgeschlossen. Die Leserin bleibt bei Bonì, erlebt ihre Verzweiflung genauso mit wie ihre beharrliche Ermittlung gegen ihre eigene Truppe, denn sie ist überzeugt, dass nicht nur der junge Mönch, sondern auch etliche Kinder in größter Gefahr sind.

Spannung unter der Oberfläche

Ein äußerlich sehr ruhiger Krimi, der seinen Sog eher in der Tiefe entfaltet und seine Spannung aus dem eigenwilligen Charakter und Verhalten seiner Protagonistin bezieht. Und auch wenn diese Figur nicht immer wirklich sympathisch ist, ist sie trotzdem faszinierend. Quasi der Gegenentwurf zu einem oberflächlichen Actionreißer.

Oliver Bottini. Mord im Zeichen des Zen. Frankfurt: Fischer Verlage, 2004. Taschenbuch-Neuausgabe, Köln: Dumont, 2015. (Louise Bonì 1)

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