Italien, Krimis

Pietro Bellini. Signora Commissaria und die dunklen Geister (2020)

Auf der berühmten Florenzer Ponte Vecchio wird eine Leiche gefunden – die kurz darauf schon wieder verschwunden ist. Das italienische Innenministerium schickt die Sonderermittlerin Giulia Ferrari, die nur widerwillig nach Florenz und ihr Heimatdorf Santa Croce zurückkehrt.

Zwei Streifenpolizisten finden auf ihrem nächtlichen Rundgang eine Leiche auf der Ponte Vecchio. Während die junge Frau schnell in die benachbarte Wache läuft, wird der Beamte bei der Leiche niedergeschlagen und diese ist verschwunden. Als Touristenmagnet in Florenz ist die Ponte Vecchio von besonderer Brisanz und Sonderermittlerin Giulia Ferrari wird aus Rom nach Florenz geschickt.

Der Barrista ermittelt wieder

Die erfahrene Commissaria sichert sich zunächst die Unterstützung des ehemaligen Leiters der Mordkommission, Luigi Battista, der jetzt eine Bar in Santa Croce betreibt. Auch der ist zunächst nicht begeistert, doch seine Neugier ist schnell geweckt. Nur die Questura will er auf keinen Fall betreten. Was die Commissaria zunächst nervt, akzeptiert sie doch schnell, weil die Zusammenarbeit zwar ungewöhnlich läuft, aber doch ganz gut. Weitere außerordentliche Unterstützung erhalten die beiden vom jungen, blinden Polizisten Enno.

Konkurrenzkampf?

Die zunächst verschwundene Leiche taucht kurze Zeit später auch wieder auf, jemand hat sie in den Fluss geworfen. Der Sinn hinter dieser Aktion ist den Kommissaren zunächst ein Rätsel. Wenigstens stellt sich recht schnell heraus, dass es sich bei dem Toten um Umberto Rossi handelt, der als Goldschmied beim größten Juwelier auf der Ponte arbeitete. Außergewöhnlich begabt, lebte Rossi doch in einer winzigen Kammer in der Werkstatt. Wurde er umgebracht, weil ihn eine Juweliers-Konkurrent abwerben wollte?

Vergangenheit

Allerdings gibt es wohl noch mehr Geheimnisse, denn niemand scheint zu wissen, woher Rossi kam, als er vor einigen Jahren in Florenz auftauchte. Eine Geburtsurkunde kann die Commissaria nicht auftreiben. Also wer ist Umberto Rossi wirklich? Und liegt dort vielleicht der Grund für seine Ermordung?

Viel Florenz …

Sehr viel Florenz, viel italienische Lebensart, auch kulinarische samt Rezept. Der Kriminalfall ist originell, gut erzählt, ein interessanter Serienauftakt. Mal ganz etwas anderes: Der Autor hat Dialog-Szenen eingebaut wie aus dem Theaterstück, die bringen die Handlung zwar nicht voran, helfen aber dabei, den Stand der Ermittlungen im Blick zu behalten – und Appetit zu bekommen, denn es ist immer das Abendessen beim Ehepaar Battista, das in dieser Form eingeschoben wird. Kulinarisches Lokalkolorit halt. Davon gibt es auch sonst eine Menge …

… und ein bisschen Kitsch

Für meinen Geschmack wurde das Essen zu sehr in den Vordergrund gerückt und das Ganze ist auch nicht frei von schmalzigen Szenen, beides sorgt bei mir eher für einen kleinen Punkteabzug. Aber wer das mag und auch viel Toskana in einem Krimi schätzt, der wird hier auf jeden Fall gut unterhalten.

Pietro Bellini. Signora Commissaria und die dunklen Geister. München: Knaur, 2020.

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