Deutschland, Krimis

Kirsten Nähle. Zwölf Sünden (2021)

Während eines Marathons springt ein Familienvater in Würzburg in den Main – Selbstmord? Aber warum dann inmitten der Menschenmassen? Und warum ist der unsportliche Mann überhaupt mitgelaufen, noch dazu ohne Laufschuhe? Kommissarin Victoria Stahl und ihr Partner Daniel Freund bekommen es in ihrem ersten gemeinsamen Fall gleich mit einer Mordserie zu tun.

Gerade während die Läufer des Marathons über die Mainbrücke laufen, sondert sich einer von ihnen ab, stellt sich neben den Heiligen Nepomuk auf die Brücke und lässt sich fallen. Kommissar Daniel Freund aus Köln muss bei seinem ersten Einsatz in Würzburg zuschauen und kann nichts tun, um zu helfen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Victoria Stahl, die wegen einiger Alleingänge beim Chef gerade nicht so gut angesehen ist, besucht er die Witwe. Auch wenn zunächst alles nach einem Selbstmord aussieht, ist Victoria nicht davon überzeugt. Irgendetwas scheint hier faul zu sein.

Bekenner-Mails

Die Bestätigung dafür bekommt allerdings zuerst Daniels Freundin Susanne Riehl, die als Redakteurin bei einer Würzburger Zeitung arbeitet. In einer Mail erläutern „Die Wächter“, warum der IT-Fachmann sterben musste: Er hatte Firmengeheimnisse verraten, das Verfahren gegen ihn wurde aber wegen eines Formfehlers eingestellt. Obwohl Susanne hier eine große Story und damit eine Riesenchance wittert, erfährt auch die Polizei von der Mail. Der Absender lässt sich natürlich nicht ermitteln.

Weitere Tote

Auf einem Weinfest gibt es wieder einen Toten, scheinbar wurde der Mann vergiftet – wieder ist Kommissar Freund Augenzeuge. Der Zufall wird damit ein wenig arg strapaziert, doch dramaturgisch soll damit dem Leser natürlich auch etwas gezeigt werden. Bei den Ermittlungen des Teams rund um Stahl und Freund stellt sich heraus, dass der Pharmareferent zwar sehr erfolgreich, aber wenig beliebt war. Eine Altenpflegerin hatte sich über den Mann beschwert, der sie beim beruflichen Gespräch beinahe vergewaltigt hätte. Doch den Beweis für den Zusammenhang mit dem Todesfall von der Brücke liefert erst eine neue Mail an Redakteurin Susanne.

Beruflicher Ehrgeiz

Weil es bei den Ermittlungen nicht schnell genug vorangeht, wird Victoria Stahl die Leitung der Soko entzogen und Freund übertragen – was natürlich für die Zusammenarbeit der beiden nicht gerade von Vorteil ist. Und Susanne Riehl möchte immer noch aus dem Kontakt zu den „Wächtern“ berufliches Kapital schlagen, sodass sie sich auf einen weitergehenden Dialog einlässt … der dann aber für sie dramatisch wird.

Raffiniert und spannend

Zwölf Sünden ist ein hoch spannender und rundum gelungener Krimi-Erstling der Autorin. Der Fall ist hervorragend konstruiert, spannend erzählt, dazu sind die Hauptfiguren interessant, mit zumindest angedeutetem Tiefgang. An der einen oder anderen Stelle gibt es vielleicht noch Verbesserungspotenzial, wenn man als Krimi-Leser auch am Privatleben der Ermittler interessiert ist, manchmal scheint man bei einem Zeitsprung etwas Interessantes verpasst zu haben. Das gilt aber nicht für den Fall, der sich raffiniert und perfide gestaltet. Ein rundum hervorragend gelungenes Debüt, das hoffentlich tatsächlich Auftakt – wie mancherorts zu lesen ist – zu einer ebensolchen Serie ist. Ich jedenfalls freue mich schon auf weitere Folgen!

Kirsten Nähle. Zwölf Sünden. München: Droemer-Knaur, 2021.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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