Deutschland, Krimis

Simone Buchholz. Knastpralinen – Chas Riley 2 (2010)

Im Hamburger Hafen werden Pakete gefunden, in denen, säuberlich verpackt, Leichenteile liegen: Kopf, Hände und Füße. Von zwei Männern. Wo ist der Rest der Leichen? Und wer macht sich so viel Mühe? Doch privat ist bei Staatsanwältin Chastity Riley gerade mehr los, sodass sie in diesem Fall nicht ganz so engagiert ist wie sonst.

Staatsanwältin Chas Riley bereitet gerade intensiv den Prozess gegen zwei Mädchenhändler vor, das Schicksal der jungen Frauen geht ihr nahe und sie will eine hohe Strafe. Natürlich fährt sie trotzdem mit zum Fundort des ersten Pakets, ein Bagger hat es aus dem Wasser gefischt, wo es ein Stein eigentlich unten halten sollte. Unappetitlich, sicher. Aber es scheint, dass der Tote nicht gerade ein Engel gewesen ist, er soll seine Freundin des Öfteren geschlagen haben, wie die Kommissare Brückner und Schulle rausbekommen. Kurz darauf holt der Baggerfahrer das nächste Paket an die Wasseroberfläche. Ein Serienmörder?

Gefühlsduselei

Ein dritter Toter ist dann allerdings noch in einem Stück, trotzdem gibt es einen Zusammenhang zu den anderen beiden Fällen: Der dritte Tote wurde wegen eines Sexualdelikts angezeigt, jedoch nie verurteilt. Und auf solche Fälle reagiert Chas Riley sehr allergisch, ganz besonders jetzt, da auch ihre beste Freundin Carla brutal vergewaltigt wurde. Chas kümmert sich, auch ihr Freund Klatsche kümmert sich. Und scheint sich dann doch ein bisschen zu viel zu kümmern, nach Chas Geschmack. Natürlich kann sie nicht mal vor sich selber zugeben, dass sie eifersüchtig ist und dass ihr dieser Freund tatsächlich mehr bedeutet, als sie selber immer dachte.

Ermittlungsarbeit

Die Ermittlungen laufen zwar, aber beinahe im Hintergrund. Die Kommissare Brückner, Schulle und vor allem Calabretta machen ihren Job. Chas ist abgelenkt, Chas sieht keine Notwendigkeit, sich wirklich in die Ermittlungen reinzuhängen. Und dabei ist sie eigentlich mitten im Geschehen … aber die Erleuchtung kommt dann irgendwann sehr überraschend und sehr unkonventionell …

Unkonventionell

„Unkonventionell“ ist das Stichwort, das ja sowieso die ganze Serie hervorragend charakterisiert. Die Sprache und der Stil sind es vor allem, die diese Serie tragen, die sie herausheben aus dem riesigen Feld der Krimis. Es ist so wunderbar schnodderig, wie Ich-Erzählerin Chas von ihrem Leben erzählt, eine der interessantesten Ermittlerfiguren überhaupt. So wie sie berichtet, wie sie mit Freund Klatsche auf dem Balkon Bier trinkt und Sterne zählt, wird der Kitsch richtiggehend originell. Und so sind die Krimis von Simone Buchholz auf jeden Fall höchst lesenswert, selbst wenn es keine Ermittlung gibt, die der Leser hautnah verfolgen und bei der er miträtseln darf. Hier bestimmt keine logische Konstruktion den Plot, sondern menschliche Abgründe, Gedanken, Gefühle, Charakter.

Simone Buchholz‘ Krimis sind einfach eine Klasse für sich und unbedingt lesenswert!

Simone Buchholz. Knastpralinen. Ein Hamburg-Krimi. München: Droemer Knaur, 2010. (Chas Riley 2)

Mehr zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Simone Buchholz.

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