Krimis, Norwegen

Trude Teige. Der Mann, der nicht vergessen konnte – Kajsa Coren 6 (2021)

Ein Rachefeldzug in der Nähe von Olso beschäftigt Journalistin Kajsa Coren und ihren Lebensgefährten, den Kommissar. Auch wenn die Journalistin natürlich nicht offiziell in die Ermittlungen einbezogen ist, findet sie entscheidende Hinweise – oder auch mal einen Toten. Der noch dazu ihr ehemaliger Chef ist.

Ein Mann ist auf einen Bauernhof in Asker zurückgekehrt, um zu sterben und um sich zu rächen. Warum und an wem ist natürlich nicht so ganz klar, aber als Erster wird der amtierende Justizminister entführt und gefoltert. Was dieser aber leugnet. Warum erstattet er keine Anzeige?, das fragt sich jedenfalls der Kommissar, der alarmiert wurde, als der Minister einen Termin nicht einhielt und scheinbar verschwunden war. Als Nächstes wird ein Toter auf dem verlassenen Bauernhof gefunden und dann verschwindet der Nachrichtenchef eines Fernsehsenders, für den auch Kajsa früher gearbeitet hat.

Kajsas Reportage

Journalistin Kajsa arbeitet jetzt freiberuflich, hat aber nach ihrer überstandenen Krebserkrankung mit Depressionen zu kämpfen. Ihre Reportage zu MeToo-Fällen in Norwegen kommt nicht so richtig vom Fleck, aber immerhin scheint klar, dass auch die norwegische Medienwelt ihr Schuldigen hat. Zu denen auch besagter Nachrichtenchef zu gehören scheint. Gibt es etwa eine Überschneidung zwischen der Reportage und den aktuellen Fällen?

Kajsas Entdeckungen

Nebenbei soll Kajsa auch Aufnahmen auf dem Bauernhof machen, wo der Tote gefunden wurde – ein Suizid mit einer Überdosis – falls dieser Fall doch noch interessant wird. Denn auf diesem Hof hatte es schon mal einen Mord gegeben, der nie aufgeklärt wurde. Und bei ihren Aufnahmen entdeckt ausgerechnet Kajsa den toten Nachrichtenchef. Der Spürhund in der Journalistin ist geweckt und die Depression ist überwunden. Aber wer hat den Nachrichtenmenschen ermordet? Ausgerechnet auf diesem Hof? Ein Zusammenhang mit dem alten Mord ist natürlich sehr wahrscheinlich. Aber wie das alles zusammenhängt, daran hat das Team des Kommissars gewaltig zu knabbern.

Leider zu durchschaubar

Teilweise brutal, aber spannend. Natürlich ist es nicht wahrscheinlich, dass die Journalistin immerzu über die richtigen Schlüsse oder Funde stolpert und es trotzdem kein Disziplinarverfahren gegen ihren Lebensgefährten gibt, aber unterhaltsam zu lesen ist es trotzdem. Wenn auch leider ein wenig durchschaubar, die Spuren sind dann doch zu deutlich für die versierte Krimileserin. Deshalb bleibt der Krimi im Mittelmaß stecken.

Trude Teige. Der Mann, der nicht vergessen konnte. Berlin: Aufbau Verlag, 2021. | Aldri tilgi. Norwegen, 2019. Übersetzt von Gabriele Haefs, Andreas Brunstermann (Kajsa Coren 6, in Deutschland 4)

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