Krimis, Norwegen

Trude Teige. Die Frau, die verschwand – Kajsa Coren 5 (2019)

Journalistin Kajsa Coren ist immer noch beurlaubt. Als sie ein Unbekannter bittet, einem alten Vermissten-Fall noch einmal nachzugehen, lässt sie sich gerne überreden. Vor allem auch, weil sie vor dreizehn Jahren schon über den Fall berichtet hatte, an den sie auch jetzt noch immer wieder denkt. Die Vermisste, die junge Julia Winther, ist nie wieder aufgetaucht, weder lebend noch tot.

Julia Winther lebte mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern in einem Sanatorium, das die Mutter leitete. Am Abend ihres Verschwindens war Julia im „Gebethaus“, von wo sie früher als alle anderen aufbrach – doch zu Hause kam sie nie an. Die Polizei suchte sie vergeblich. Auch der Hinweis eines Freundes der jungen Leute, Frode, er habe Julia spät abends mit ihrem Bruder streiten sehen, führte damals nicht zur Aufklärung des Falles.

Reste einer Familie

Kajsa Coren, ganz Journalistin, hat schnell die Idee, eine Dokumentation über den Fall Julia zu drehen. Dazu sucht sie Gesprächspartner, doch die sind gar nicht so leicht zu finden. Die Mutter, Marianne Winther, ist zwar gerade vor Ort, um das leerstehende Sanatorium auszuräumen, aber sie will nicht mit einer Journalistin reden. Der Bruder, Allan, ist beim Tsunami in Thailand gestorben. Und die jüngste Schwester, Susanne, scheint gerade zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt. Schließlich macht Kajsa eine ehemalige Köchin ausfindig und stellt eine Verbindung zu einem anderen Sanatorium her, in dem Marianne Winther vorher beschäftigt war. Dort hatte Julia sich als Kind mit einem sonderbaren Patienten angefreundet, der sich Krösus nannte.

Ein Mord

Als eine Leiche gefunden wird, kommt auch die Polizei – und damit Kajsas Lebensgefährte Karsten – wieder ins Spiel. Bei dem Toten handelt es sich ausgerechnet um Kajsas Auftraggeber … der natürlich nicht der war, als der er sich ausgab. Kajsa bekommt Aufzeichnungen von Krösus in die Hände, Leserin und Leser dürfen noch mehr dieser Beobachtungen aus der Geschlossenen lesen, und es wird klar, dass es in diesen Sanatorien für psychisch Kranke grausame Vorfälle gab – doch wie hängt das mit Julias Verschwinden zusammen?

Spannend und gruselig

Bis das geklärt ist, folgen wir Kajsa auf ihren natürlich auch wieder gefährlichen Ermittlungen, in die auch Menschen verwickelt sind, denen sie vertraut hatte … Das alles ist sehr spannend erzählt und Kajsas Entdeckungen zu den Vorgängen in den Sanatorien sind tatsächlich gruselig. Und Edvard Munch darf auch noch mitspielen, sogar mit einem kleinen, historisch belegten Detail. Band 2 dieser Serie hatte mich noch nicht ganz überzeugen können, Band 3 hat es geschafft. Ein Krimi, den ich gerne weiterempfehle.

Trude Teige. Die Frau, die verschwand. Berlin: Aufbau Verlag, 2019. | Pasienten. Oslo: H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard) AS, 2017. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann. (Kajsa Coren 5)

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