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Amanda Cross. The James Joyce Murder – Kate Fansler 2 (1967)

Professorin Kate Fansler hat in einem Landhaus eine ungewöhnliche Gruppe um sich geschart. Als eine tratschsüchtige Nachbarin ermordet wird, gerät die Gruppe unter Verdacht.

Bevor in diesem zweiten Band der Serie um die Literatur-Professorin Kate Fansler der Mord geschieht, lässt sich Autorin Amanda Cross viel Zeit, um das Setting zu beschreiben und die Personen auftreten zu lassen. Kate ist für den Sommer in dieses Haus auf dem Land gezogen, um die hinterlassenen Papiere eines befreundeten Verlegers zu ordnen. Dabei hilft ihr der Student Emmet, der sich besonders für die Korrespondez des Verlegers mit James Joyce zu interessieren beginnt.

Illustre Wohngemeinschaft

Zur ungewöhnlichen Wohngemeinschaft gehört daneben Kates Neffe Leo sowie sein Betreuer William, ebenfalls ein Doktorand aus Kates Englischem Institut. Zu Besuch kommen dann auch noch Kates Freund Reed und eine emeritierte Kollegin Kates, Grace Knole, und die junge Professorin Lina, die mit William liiert ist. Bei so viel versammelter Intelligenz und tiefer Kenntnis der englischsprachigen Literatur sind lange vor dem Mord die Unterhaltungen der Personen ein pures Lesevergnügen. Wer wissen will, wie „geistreiche Dialoge“ aussehen, hier finden sich wunderbare Beispiele!

Erschossen

Zu den Gepflogenheiten des Haushalts gehören morgendliche Schießübungen, die Leo, assistiert von William, mit einem Gewehr absolviert – natürlich ohne Patronen! Doch an einem Morgen wird bei diesem makabren Freizeitvergnügen die Nachbarin Mary Bradford erschossen. Ausnahmsweise hatte William das Gewehr abgefeuert und irgendwie muss eine Patrone ins Gewehr geraten sein … William ist untröstlich, aber natürlich ist er erst einmal der Hauptverdächtige der Polizei. Aber niemand in Kates Haushalt kann sich vorstellen, dass es einer der Ihren gewesen sein könnte, der einen Mord begangen hat.

Witty

Professorin Kate Fansler wird also mal wieder zur Detektivin, auch wenn sie in diesem Band den Fall nicht selber aufklärt. Aber ihre Ermittlungen bieten wieder die Gelegenheit, sie viele interessante Gespräche führen zu lassen – und das ist für mich auf jeden Fall das Beste an dieser Krimi-Serie. Die Aufklärung des Falles wirkt auf uns heutige Leser doch schon recht altmodisch, immerhin erschient die Originalausgabe bereits 1967. Aber die wunderbaren Dialoge, immer geistreich und humorvoll, und oft auch über Literatur oder Autoren, über den Lehrbetrieb an den Universitäten, über Emanzipation und Gleichberechtigung, diese Dialoge und ihre Einsichten sind die Lektüre allemal wert. Immer noch. Oder angesichts unserer heutigen Kommunikation erst recht!

Amanda Cross. The James Joyce Murder. New York: Macmillan, 1967. (Kate Fansler 2) (Coverabbildung einer Neuausgabe als E-Book)

Mehr zur Autorin und ihrer Krimiserie auf der Autorinnen-Seite Amanda Cross.

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