Frankreich, Krimis

Cay Rademacher. Verlorenes Vernègues – Roger Blanc 7 (2020)

Wölfe scheinen sich die Wälder um Vernègues als neues Revier auserkoren zu haben. Schäfer haben sie beim Reißen von Lämmern beobachtet. Natürlich stehen die seltenen Tiere unter Naturschutz, aber in der Gegend regiert schnell die Angst. Doch nicht nur Wölfe sind nachts im Wald unterwegs …

Die Provence erlebt einen ungewöhnlich kalten Januar, unter Schnee schläft auch das Verbrechen. Jedenfalls haben Roger Blanc und seine Kollegen Marius und Fabienne eigentlich nichts zu tun, doch auf eine nächtliche Fahrt zu einem Notruf hätten sie bei dem Wetter verzichten können. Ein Schäferpaar hat die Polizei gerufen, weil einige Wölfe ihre Herde überfallen und etliche Tiere gerissen hätten. Es seien Wölfe gewesen, Zweifel ausgeschlossen. In den Wäldern um das verlassene Dörfchen Vernègues, das vor rund einem Jahrhundert von einem Erdbeben zerstört wurde, scheint sich ein Wolfsrudel angesiedelt zu haben.

Auf der Jagd

Während Blanc und sein Kollege eigentlich den Wolfsangriff nur dokumentieren sollen, damit die Schäfer Ersatz für den Verlust bekommen, breitet sich die Ur-Angst vor dem Wolf schnell aus. Vor allem der Bürgermeister des neuen Vernègues ruft schnell zur Wolfsjagd auf. Blanc versucht zu bremsen, so gut er kann. Schließlich sind nicht nur Wölfe in der Nacht in dem Wald unterwegs, sondern auch ein UFO-Sucher, eine Erdbeben-Forscherin, ein Nostradamus-Verehrer … und die Männer mit den großen Gewehren scheinen dem Alkohol allzu sehr zuzusprechen, sodass Blanc befürchtet, die explosive Mischung wird ein Unglück auslösen.

Ein Toter

Blanc friert eine Nacht mit dem UFO-Forscher in den Ruinen des alten Vernègues, doch die Wölfe zeigen sich nicht. Allerdings hat der ehemalige Professor viele nächtliche Aufnahmen gemacht, die vielleicht eine Spur enthalten könnten … Während Blanc noch versucht, mit Informationen und gesundem Menschenverstand die Lage zu entschärfen, wird in den Ruinen von Vernègues tatsächlich ein Toter gefunden. Der Jagdeifer der Männer im Umland wird dadurch nur noch angestachelt.

Perfektes Setting für den Wolf

Die Provence im Januar und unter Schnee, ein ungewohntes Bild, hört man bei „Provence“ doch eigentlich sofort die Zikaden. Aber für die Wölfe ist das natürlich das passendere Setting, dazu große Wälder und ein unheimliches, verlassenes Dorf – der Rahmen für die Geschichte ist gut konstruiert. Ebenso wie die Besetzung, Figuren, die man sich hier nur allzu gut vorstellen kann: der übereifrige Bürgermeister, der versoffene Vorsitzende des Jagdvereins, eine für die Natur engagierte Försterin, ein professioneller Wolfsjäger, der meistens gar keinen Wolf zu Gesicht bekommt …

Eiskalte Spannung

Rademacher hat aus diesen Zutaten einen Krimi gestrickt, der seine Spannung einmal nicht (nur) aus dem Mord und seiner Aufklärung bezieht. Er spielt hier mit der Ur-Angst der Menschen vor dem Wolf und hat einen Rahmen geschaffen, in dem diese Angst ihre Wirkung entfalten kann. Ein Pulverfass, das hochgehen muss. Wie es das allerdings dann tut, wer welche Interessen verfolgt und wie sich die ganze Geschichte am Ende auflöst – das ist tatsächlich eine sehr spannende Geschichte, die den Ausflug in die winterliche Provence lohnt.

Cay Rademacher. Verlorenes Vernègues. Köln: Dumont, 2020. (Capitaine Roger Blanc 7)

Mehr zur Autor und seinen Krimis auf der Autorenseite Cay Rademacher.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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