Frankreich, Krimis

Christine Cazon. Verhängnisvolle Lügen an der Côte d’Azur – Duval 9 (2022)

Der Tod eines Richters führt Duval in die Vergangenheit, zu einem Unglück, das vielleicht doch keines war – und das auf jeden Fall gefährlich wird für die Menschen, die sich dafür interessieren. Auch für Duval und seine Familie.

Der angesehene Richter Dussolier wird vor dem Gericht erschossen. Gemeinsam mit Kommissar Duval hatte er erst vor Kurzem den Ganoven Cosenza hinter Gitter gebracht. Schon deshalb geht jeder von einem Racheakt des immer noch einflussreichen Mannes aus. Auch eine aus Paris angereiste Spezialtruppe, die den Fall dieses Mordes übernimmt, kommt zu diesem Ergebnis.

Machtkämpfe im Milieu?

Duval fühlt sich persönlich betroffen und erreicht bei seinem Vorgesetzten, dass er ein paar unabhängige Ermittlungen anstellen darf. Bei einem Gespräch mit Cosenza im Gefängnis leugnet dieser, dass er am Tod des Richters beteiligt ist – und Duval glaubt ihm. Cosenzas Geschäfte werden von seinem Sohn weitergeführt, aber dieser hat starke Konkurrenz bekommen. Hat der neue starke Mann den Mord in Auftrag gegeben, um ihm Cosenzas Familie in die Schuhe zu schieben?

Staudammkatastrophe

Dann allerdings erfährt Duval, dass sich der Richter kurz vor seinem Tod die Ermittlungsakten eines alten Unglücks hat kommen lassen. Beim Bruch des Malpasset-Staudamms starben Ende der 1950er-Jahre über 400 Menschen. In einer vor Kurzem ausgestrahlten Sendung hatten Journalisten von einem Attentat geredet, eine Dokumentation, die der Richter wohl gesehen hatte, bevor der Sender sie zurückzog.

Doch ein Attentat?

Duval ist sich sicher, dass hier der Grund für die Ermordung des Richters liegt, und beginnt zu recherchieren. Es scheint einen Zusammenhang mit dem Algerien-Konflikt zu geben. Als auch noch Annie, Journalistin und Duvals Lebensgefährtin, geheimnisvolle Unterlagen zu der Staudammkatastrophe bekommt, ist Duvals Jagdfieber geweckt. War sogar der Geheimdienst in die Untersuchungen des Unglücks involviert? Wurde etwas vertuscht? Spätestens als Duvals kleine Tochter entführt wird, wird der Fall persönlich.

Geschichtsstunde mit offenem Ende

Ein ungewöhnlicher neunter Band in dieser Serie, bei dem vieles im Ungewissen bleibt. Autorin Christine Cazon lässt Duval und damit uns Leser tief eintauchen in diverse Aspekte des Staudamm-Unglücks und auch gleich noch in den Algerien-Konflikt. Das ist auf jeden Fall sehr interessant, weil es bei uns eigentlich kein Thema in den Geschichtsbüchern ist. Für meinen Geschmack war das alles aber nicht so ganz ausgegoren; wieso Duval so sicher ist, dass seine Spürnase richtig liegt, überzeugte mich nicht wirklich. Und ein Krimi, bei dem am Ende kein Täter seine gerechte Strafe bekommt, tanzt ja eh aus der Reihe. Vielleicht schwebten mir auch zu viele Verschwörungstheorien durch diesen Krimi, als dass er mich so ganz überzeugen konnte. Als kleine Geschichtsstunde aber auf jeden Fall lesenswert!

Christine Cazon. Verhängnisvolle Lügen an der Côte d’Azur. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2022. (Kommissar Duval 9)

Mehr zur Autorin und ihren Krimis auf der Autorinnen-Seite Christine Cazon.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

Und was meinst du dazu?