Italien, Krimis

Felicitas Mayall. Nacht der Stachelschweine – Laura Gottberg 1 (2003)

In einem ehemaligen Kloster in der Toskana bietet eine Münchner Therapeutin Selbsterfahrungsseminare an – doch dann wird eine junge Teilnehmerin ermordet aufgefunden. Commissario Angelo Guerrini ermittelt, er glaubt nicht, dass der geistig zurückgebliebene Guiseppe Rana der Täter ist. Um die Teilnehmer der Gruppe zu befragen, braucht er allerdings Unterstützung aus Deutschland.

Laura Gottberg lebt in München mit ihren beiden Kindern, einem alten Vater, die Anforderungen des Alltags scheinen der unkonventionellen, sehr sympathischen Hauptkommissarin gelegentlich zu eintönig und gleichzeitig zu viel. Da kommt ihr ein beruflicher Ausflug nach Italien, der Heimat ihrer verstorbenen Mutter, gerade recht, und sie beschließt, ein wenig „Urlaub“ von ihrem Alltag in den Ermittlungen unterzubringen.

Therapie und Selbsterfahrung

Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen ist die Anziehungskraft zwischen Laura und Angelo offensichtlich, doch beide bemühen sich um Professionalität. Der Fall steht zunächst absolut im Vordergrund, doch die Ablenkung ist offensichtlich. Laura befragt die Teilnehmer der Selbsterfahrungsgruppe zum Tod von Carolin Wolf – Therapeutin Katharina, Rosa, Monika, Britta, Susanne, Rolf, Hubert – eher zufällig und arrangiert sich mit Therapiesitzungen, die trotz oder gerade wegen des Mordes unbedingt stattfinden sollen. Zwar will die Therapeutin auch nach dem Mord keine echten Auskünfte geben, doch dass es innerhalb der Gruppe vielfach Grund zu Eifersucht gab, wird schnell offensichtlich: Rolf Berger scheint Beziehungen zu mehreren der Frauen gehabt zu haben, teilweise wohl schon daheim in München.

Toskana und Liebe

Zwischendurch fahren die beiden Kommissare nach Siena oder genießen ein typisch italienisches Essen, in kleinen Unterhaltungen lernen sie sich kennen und kommen sich, scheinbar unvermeidlich, näher. Ähnlich eigenwillige Methoden und Sichtweisen auf die Arbeit und das Leben kommen zur spontanen Anziehung dazu und schon ist es Liebe. Immerhin schafft es die Autorin, diese Annäherung völlig unkitschig in die Handlung einzubetten, auch wenn ein nächtlicher Ausflug ans Meer nahe dran ist.

Intelligente Krimi-Unterhaltung

Nacht der Stachelschweine ist ein sehr flüssig und unterhaltsam geschriebener Krimi, der Fall ist gut konstruiert, die Atmosphäre der Toskana wird sehr lebendig und die Personen sind gut charakterisiert und keine eindimensionalen Typen. Vor allem die beiden Hauptfiguren sind außerordentlich sympathisch mit ihren Zweifeln und Problemchen, sowohl im Alltag als alleinerziehende Mutter bzw. getrennt lebender Mann als auch im Beruf, im Kampf gegen sinnlose Vorschriften und Vorverurteilungen. Sehr intelligente Krimi-Unterhaltung, die immer wieder über das Oberflächliche hinausgeht, hinter Fassaden schaut und Dinge infrage stellt.

Felicitas Mayall. Nacht der Stachelschweine. Laura Gottberg ermittelt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. (Laura Gottberg 1)

Mehr zur Autorin und ihrer Krimireihe auf der Autorenseite Felicitas Mayall.

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