Deutschland, Italien, Krimis

Felicitas Mayall. Wie Krähen im Nebel – Laura Gottberg 2 (2005)

Im Eurocity aus Rom wird die Leiche einer Frau gefunden, auf den Gleisen, ganz in der Nähe, ein unbekannter junger Mann, bewusstlos. Als er ein paar Tage später aufwacht, kann er sich an nichts erinnern – aber seine Fingerabdrücke sind auf der Waffe, mit der die Frau im Zug erschossen wurde. Kommissarin Laura Gottberg sucht nach dem Zusammenhang. Und dabei kommt ihr Hilfe in Italien natürlich gerade recht.

Die Putzfrauen sind es, die in einer Toilette des Eurocitys aus Rom eine Tote finden. Beide Putzfrauen arbeiten schwarz und machen sich lieber schnell aus dem Staub. Eine von ihnen ruft dann doch noch die Polizei an. So kommt es, dass sich Hauptkommissarin Laura Gottberg mitten in der Nacht und im dicksten Novembernebel auf den Weg zum Hauptbahnhof machen muss. Doch im Zug gibt es nicht viel zu sehen, die Putzfrauen sind verschwunden und die italienischen Zugbegleiter haben nichts gesehen oder gehört. Außer, dass sie mit dem jungen Mann gesprochen haben soll, der bewusstlos auf den Gleisen außerhalb des Bahnhofs gefunden wurde.

Geheime Befreiungsorganisation

Zunächst können weder die Tote noch der junge Mann identifiziert werden, immerhin lässt sich nachvollziehen, dass beide in Florenz zugestiegen sein müssen. Von einer mysteriösen Frau bekommt Laura Gottberg Hinweise: Sie gehöre zu einer Organisation, die Frauen aus den Händen von Menschenhändlern befreie. Die Tote sei eine dieser Frauen gewesen. Sie vermittelt einen Kontakt in Florenz, der vielleicht mehr erzählen könnte, alles geheimnisvoll, inoffiziell, gefährlich.

Geheime deutsch-italienische Ermittlungen

Laura sieht in ihrem Freund, dem italienischen Commissario Angelo Guerrini, den idealen Partner für diese Ermittlungen. Schließlich folgen beide nicht immer dem offiziellen Weg, wenn es darum geht, einen Mörder zu überführen. Ganz abgesehen davon, hatte sie im Novembernebel sowieso gerade mit einem Anfall von Melancholie und Sehnsucht zu kämpfen gehabt, deshalb muss Guerrini einfach in die Ermittlungen einbezogen werden. Auch wenn Lauras junger Kollege Peter Baumann gar nicht erfreut ist, er hatte sich selber Hoffnungen gemacht, seine Chefin zu erobern.

Intelligent und menschlich

Natürlich klären Laura und Guerrini auch diesen Mord auf ungewöhnlich Weise, nicht ganz undramatisch am Ende. Wieder ist der Fall hervorragend konstruiert, sehr intelligent verwoben mit Alltagsleben, Stimmungen und Zweifeln der handelnden Personen, sodass die meisten Figuren lebendig werden, nicht bloße Klischees auf zwei Beinen bleiben. Vor allem natürlich die beiden Hauptfiguren kommen sehr menschlich beim Leser an: Als alleinerziehende Mutter muss Laura sich immer auch überlegen, was es zum Abendessen geben soll, ob sie es noch schafft einzukaufen und ob sie ihre neue Beziehung zu dem italienischen Commissario vor ihren Kindern geheim halten kann.

Intelligente Unterhaltung für alle, die spannende Fälle mögen und die gerne Lauras melancholischen Gedanken im Nebel folgen, weil genau das den Krimi aus der üblichen Krimi-Einheitskost heraushebt: Die Ermittlerin ist Mensch, nicht Krimi-Stereotyp. Die stimmungsvollen Beschreibungen von München und aus der Toskana sind natürlich auch ein großes Plus dieser Serie.

Felicitas Mayall. Wie Krähen im Nebel. Laura Gottberg ermittelt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. (Laura Gottberg 2)

Mehr zur Autorin und ihrer Krimireihe auf der Autorenseite Felicitas Mayall.

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