Deutschland, Krimis

Inge Löhnig. Schuld währt ewig – Dühnfort 4 (2011)

Was passiert mit Menschen, die am Tod eines anderen beteiligt waren, ohne wirklich schuld zu sein? Rund um diese oder eine ähnliche Frage hat Inge Löhnig diesen vierten Fall für Kommissar Dühnfort gestrickt.

Ein Architekt verlässt abends sein Büro, während er entspannt telefoniert und eine Straße überquert, wird er überfahren. Es gibt Zeugen, die beobachtet haben, dass das Auto lange Zeit am selben Fleck stand und erst losgefahren ist, als der Architekt aus dem Haus kam. Und ohne Licht gefahren ist. Das sieht nicht nach einem Unfall mit Fahrerflucht aus, auch wenn Dühnforts Kollege Alois das wohl gerne so hätte. Besonders aufmerksam hat Anwohner Eugen Voigt den Vorfall beobachtet, denn der Frührentner liegt gerne am Fenster auf der Lauer und zeigt Verkehrssünder an, mit beweiskräftigen Fotos. Doch einer Befragung entzieht er sich, er hat andere Pläne …

Unruhe im Team

Die Ermittlungen von Kommissar Dühnfort und seinem Team kommen allerdings nicht wirklich voran. Kollege Alois schießt gerade besonders gerne quer und die neue Beziehung zwischen Dühnfort und Kollegin Gina soll noch geheim bleiben, weil keiner von beiden das Team gerne verlassen würde. Dann ist auch noch ein entlassener Häftling auf einem Rachefeldzug gegen Dühnfort – und das alles kurz vor Weihnachten.

Opfer-Typ

Wie es den Menschen geht, die mit einer Schuld kämpfen, für die sie nicht verurteilt wurden, erleben wir Leser am Beispiel von Susanne Möbus mit. Sie war dabei, als ein kleiner Junge ums Leben kam, bei dem sie als Babysitterin angeheuert war. Auch wenn sie sich nicht erinnern kann, wie genau der Junge aus seinem Hochbett stürzte, und auch wenn sie vor Gericht eindeutig freigesprochen wurde, quält sie seitdem ein massives schlechtes Gewissen. Sie hat ihr Studium abgebrochen und sich verkrochen, leidet unter Depressionen und Albträumen.

Rache in Serie

Natürlich ist uns Lesern schon klar, dass Susanne Möbus das ideale Opfer abgibt für den Täter dieses Bandes. Und dass der Architekt auf dieselbe Weise ums Leben kam, wie ein kleines Mädchen, das er ein paar Jahre zuvor überfahren hatte, fällt Dühnfort natürlich schnell auf. Doch die Eltern des Mädchens scheiden als Verdächtige aus. Eine zweite Tote wird an einem See gefunden, ertränkt. Auch hier ging ein Autounfall voraus, bei dem die Beifahrerin der jetzigen Toten ertrunken war. Das Kriterium, nach dem der Täter seine Opfer aussucht, scheint ziemlich klar – aber woher kennt er die Opfer und ihre Geschichten? Was haben die Opfer gemeinsam?

Krimispannung mit Tiefgang

Wieder ein Krimi von Inge Löhnig, indem sie ihre Klasse beweist: Der Fall ist psychologisch hervorragend dargestellt, mit der Figur der Susanne lernen wir auch die Opferseite eindringlich kennen, es gibt immer wieder Verdächtige, die es dann aber doch nicht sein können – und so steigert die Handlung die Spannung immer weiter bis zu einem hochdramatischen Finale.

Inge Löhnig. Schuld währt ewig. Berlin: List, 2011. (Kommissar Dühnfort 4)

Mehr zur Autorin und ihren Krimis auf der Autorinnen-Seite Inge Löhnig.

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