Humor, Krimis, Österreich

Joe Fischler. Der Tote im Schnitzelparadies – Arno Bussi 1 (2019)

Der Bürgermeister von Vorderkitzlingen in Tirol ist verschwunden – kurz darauf findet Resi, Wirtin im „Schnitzelparadies“ in Hinterkitzlingen einen menschlichen Kopf in ihrer Tiefkühltruhe. Gruppeninspektor Arno Bussi vom Bundeskriminalamt muss beide Fälle aufklären, und das im Alleingang, denn das Tiroler Tal ist nach heftigen Gewittern mit Murenabgang von der Außenwelt abgeschnitten. Und nicht nur das Wetter sorgt für Dramatik in diesem Fall …

Eigentlich ist Arno Bussi gerade glücklich, dass er endlich in Wien angekommen ist, eine tolle Wohnung und Großstadt genießen kann, selbst wenn er im Bundeskriminalamt erst mal nur öden Bürokram machen muss. Mit Ende 20 fiebert er aufregenden Einsätzen in Paris und London à la James Bond entgegen. Das würde ihn auch aus dem Einflussbereich des Innenministers bringen, den sich Arno erfolgreich zum Feind gemacht hat, weil er sich von ihm mit dessen Frau im Bett hat erwischen lassen. Dass gar nicht wirklich etwas passiert war, ärgert ihn dabei fast am meisten.

Versetzt

Dass die Versetzung weder nach Paris noch nach London erfolgt, sollte Arno eigentlich nicht wundern, aber dass es ausgerechnet wieder Tirol sein muss, wo er doch dachte, endlich entkommen zu sein … Er soll sich dort der „Abgängigkeitssache AP17/91729“ annehmen, übersetzt: Er soll den verschwundenen Bürgermeister von Vorderklitzingen suchen. Dafür stellt man ihm großzügig die verlassene Wache in Hinterklitzingen zur Verfügung. Arno fügt sich ins Unvermeidliche, schweren Herzens macht er sich an einem schönen Sommertag mit seiner himmelblauen Vespa auf den stundenlangen Weg. Ein bisschen wie auf dem Weg in die Sommerfrische …

Verlassen

Doch so malerisch es in Hinterklitzingen auf den ersten Blick aussieht, beschaulich ist es nicht. Die Wache ist uralt, ebenso Dienstwohnung, Dienstwagen, Computer und Kaffeemaschine und Kaffee. Das fällt Arno am nächsten Tag auf, als die hübsche Tiroler Bergwelt unterzugehen scheint: Es schüttet wie aus Kübeln, der Strom fällt aus, das Tal ist dicht. Und in der Tiefkühltruhe des Schnitzelparadieses liegt ein Kopf – damit wäre die Abgängigkeitssache wohl aufgeklärt, denkt Arno einen Moment lang, aber damit beginnt ein Panoptikum der Kuriositäten: Charaktere, wie man sie sich klischeehafter nicht ausdenken kann, eine geheimnisvolle Schöne, die sich von Arno trösten lässt, eine Aneinanderreihung von dramatischen und einfach unglücklichen Umständen (kein Kaffee für Tage! ;), Slapstick-haften Einlagen und todesmutigen, wundersamen Rettungsaktionen.

Scherz, Satire, Ironie – und tiefere Bedeutung?

All das erzählt Autor Joe Fischler gewohnt amüsant und lässig, mit actionreicher Spannung, die genauso wenig ernst zu nehmen ist wie Bussis unglückliche Liebesabenteuer oder all die klischeebeladenen Beschreibungen … Bei Arno Bussi ist alles überzeichnet bis hin zur Groteske. Man kann das Buch natürlich einfach als lustigen Krimi lesen, den man nicht an der Realität messen sollte, oder aber als Parodie, und so macht der Krimi – mir jedenfalls – doch viel mehr Spaß. Selbst die Idylle ist halt nicht mehr das, was sie mal war …

Joe Fischler. Der Tote im Schnitzelparadies. Ein Fall für Arno Bussi. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. (Arno Bussi 1)

Mehr zum Autor und zur Serie auf der Autorenseite Joe Fischler.

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