Italien, Krimis

Luca Ventura. Bittersüße Zitronen – Capri 2 (2021)

Capri im November ist nicht gerade das Traum-Reiseziel für Touristen und die Einheimischen sind ziemlich unter sich. Als Elisa Constantini aus einer der Zitronenanbauer-Dynastien stirbt, müssen die beiden Polizisten Enrico Rizzi und Antonia Cirillo rund um den berühmten Limoncello ermitteln.

Als Polizist Rizzi eines regenreichen Abends mit seiner Vespa unterwegs ist, kommt ihm eine Ape entgegengerast – die er zertrümmert an einem Abhang findet. Die Fahrerin kennt Rizzi natürlich, jeder kennt hier jeden. Bevor Elisa Constantini stirbt, kann sie gerade noch „Kein Unfall“ sagen, was aber nur Rizzi hört. Sein Chef sieht erst einmal keinen Grund für Ermittlungen der Polizei, sieht doch alles nach einem Unfall auf regennasser Fahrbahn aus. Der Unfallwagen kann nur von Spezialisten aus Neapel geborgen und untersucht werden, dasselbe gilt für die Leiche. Bis dahin sollen die Polizisten auf Capri abwarten.

Zwei Zitronen-Dynastien

Doch weder Rizzi noch seine Partnerin Antonia Cirillo, strafversetzt aus Bergamo, wollen die Füße stillhalten, solange alle Spuren noch frisch sind. Elisas Schwester, Raffaela Constantini, führt die Zitronenplantage der Familie und ist gerade dabei, mithilfe einiger junger Leute auf Crowdfarming umzustellen. Die Ape, in der Elisa starb, gehört allerdings Aurora Bellini, deren Limoncello-Produktion der größte Abnehmer der Constaninis ist. Sollte also eigentlich Aurora Bellini sterben? Denn dass die Ape manipuliert wurde, da ist sich Rizzi ganz sicher, auch wenn Neapel mit seinen Untersuchungen noch nicht zu Potte kommt.

Mördersuche zu Hause

Neben Aurora Bellini, eine alte Dame, fährt auch ihr Schwiegersohn Simon Mugele die Ape regelmäßig. Der Mann ihrer verstorbenen Tochter leitet jetzt die Limoncello-Fabrik der Familie, eine Karriere vom Zitronenpflücker aus Ghana hin zum mächtigen Manager, die bestimmt auch Neider auf den Plan ruft. Oder Rassisten? Könnte dort ein Motiv liegen? Rizzi und seine Kollegin ermitteln auf Capri und auf den Plantagen und in der Fabrik auf dem Festland – aber nicht immer zusammen und auch nicht immer in derselben Richtung. Denn Rizzi kennt seine Mitbewohner auf der Insel schließlich von Kindesbeinen an, da sieht man manches anders. Aber auch besser?

Eher oberflächlich

Die Traumlocation Capri büßt durch das regnerische Novemberwetter einiges von ihrem Charme ein, das kann die Krimihandlung in meinen Augen leider nicht ganz wett machen. Zwar ist der Fall ganz interessant aufgebaut, könnte auch menschlich sehr gut funktionieren, wenn ein paar Zwischentöne angelegt worden wären. Ich jedenfalls habe keine gefunden und so bleibt mir vor allem in Erinnerung, dass Rizzi und seine Partnerin nicht miteinander reden und dauernd mit ihren Vespas durch den strömenden Regen über die Insel kurven. Autor Luca Ventura (wer immer sich auch hinter dem Pseudonym verbirgt) listet die Fakten auf, reiht Handlungen aneinander, die Menschen hinter den Figuren sind mir jedenfalls nicht wirklich nähergekommen.

Mein persönliches Fazit: ja, kann man lesen. Man verpasst aber auch nichts, wenn man es nicht tut.

Luca Ventura. Bittersüße Zitronen. Der Capri-Krimi. Zürich: Diogenes, 2021. (Capri 2)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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