Deutschland, Krimis

Nicola Förg. Böse Häuser – Irmi Mangold 12 (2021)

Bei einer Hausbesichtigung wird vor den Augen von Irmi Mangold ein Mitbewerber erschossen. Hier ist die Kommissarin nicht zuständig, Kollege Gerard Weinzirl aus Weilheim übernimmt die Ermittlungen – aber er sichert sich Mangolds Unterstützung. Es ermitteln also zwei Kommissare aus zwei unterschiedlichen Krimiserien von Autorin Förg. Was zusammengestoppelt wirken könnte, passt aber ganz hervorragend und ergänzt sich.

Irmi Mangold und ihr Kollege und neuerdings Lebensgefährte Fridtjof Hase wollen einen Hof kaufen, doch geeignete Objekt sind rar. Deshalb sehen sie sich auch schon einen Hof in Richtung Oberbayern an, den ein erfolgreicher deutsch-kanadischer Biobauer verkaufen will. Außerdem dabei sind der Makler und ein Mitbewerber, der Besitzer eines Autohauses für Luxuswagen. Während des Gesprächs wird der Mitbewerber erschossen, und auch wenn er scheinbar genug Feinde hatte, stellen sich die Ermittler die Frage, ob wirklich er gemeint war. Denn auch der Makler vertritt ein zweifelhaftes Berufsethos, und der Hausbesitzer kommt Irmi Mangold auch nicht ganz koscher vor.

Ungewohntes Ermittlerduo

Doch der Tatort befindet sich im Revier von Kommissar Gerhard Weinzirl, den Irmi Mangold bereits als schwierigen Typen kennt. Der sichert sich allerdings schnell und unkompliziert die Mitarbeit von Mangold und ihrem Team, und fügt sich dort problemlos ein. Während in diesem Band also Mangold und Weinzirl als Ermittlerduo unterwegs sind, um zahlreiche Leute zu befragen und mögliche Motive in der Vergangenheit aller potenziellen Opfer aufzuspüren, erfreut sich die Leserin vor allem an den weisen Analysen zum Zeitgeschehen „des Hasen“. Die Handlung spielt im Februar 2020, das Covid-19-Virus ist auf dem Vormarsch, bleibt aber noch im Hintergrund.

Motive in der Vergangenheit

Bis Mangold und Weinzirl herausgefunden haben, wer tatsächlich das Opfer sein sollte und vor allem, warum, müssen sie Berlin und Kanada mit einbeziehen und zurückgehen bis zur Nachwendezeit, zu Hausbesetzern und Immobilienspekulanten. Und sogar der Zweite Weltkrieg, Flucht und Vertreibung werden thematisiert, ebenso wie DDR-Vergangenheit. Da blickt sogar Irmi Mangold mal zurück in ihre Jugendzeit und Besuche in Berlin … Doch nostalgisch geht es eigentlich nicht zu, denn dem Mordanschlag liegen natürlich ganz handfeste Motive zugrunde. Und als Mangold und Weinzirl einer Wahrheit zu nahekommen, wird es verdammt knapp für sie – psychologisch hervorragend gemacht.

Spannung mit kritischem Blick auf unsere Realität

Mit etwa 200 Seiten ist Böse Häuser kein Wälzer, sondern eher ein feines Kabinettstück: Sehr spannend, sehr menschlich, mit sympathischen Charakteren, herzlicher Intelligenz und einem feinen Humor. Nicola Förg gelingt immer wieder ein kritischer Blick auf Aspekte unserer Alltagswirklichkeit, die wir alle ganz dringend überdenken sollten. Oder bei denen inzwischen jeder klardenkende Mensch Handlungsbedarf sieht – beginnende Klimakatastrophe -, außer all denen natürlich, die mehr an ihr ganz eigenes Wohlergehen denken, an Umsätze, an Wählerstimmen, an ihre Bequemlichkeit. Die weisen Analysen „des Hasen“ treffen immer den wunden Punkt, ohne jemals in Aggression umzuschlagen – schon allein deshalb würde ich diesen Krimi jedem empfehlen!

Nicola Förg. Böse Häuser. München: Pendo, 2021. (Irmi Mangold 12)

Mehr zur Autorin und ihren Krimiserien auf der Autor:innen-Seite Nicola Förg.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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