England, Krimis

Robert Galbraith. Der Ruf des Kuckucks – Cormoran Strike 1 (2013)

Das gefeierte Model Lula Landry ist vom Balkon ihrer exklusiven Wohnung gestürzt. Selbstmord lautet das Ermittlungsergebnis der Polizei. Lulas Bruder ist anderer Meinung und engagiert den Privatdetektiv Cormoran Strike. Der sieht in dem reichen Klienten zunächst vor allem eine Möglichkeit, aus seiner aktuell desolaten finanziellen Lage herauszukommen …

Cormoran Strike, abgehalfterter Soldat mit Beinprothese, frisch getrennt von seiner glamourösen Freundin Charlotte, wohnt gerade in seinem winzigen Büro, hat keine Aufträge, aber Schulden, die er zurückzahlen muss. Und eine neue Aushilfssekretärin, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann: Robin. Die macht sich allerdings schnell nützlich und findet sich im Chaos Strikes zurecht, außerdem ist es für sie ein Traumjob. Strike mag vor allem ihre Diskretion, sie stellt keine Fragen, zum Beispiel, warum er in seinem Büro schläft.

Verbindungen

Als erfahrener Ermittler macht sich Strike systematisch an die Arbeit, die Hintergründe zum Leben des Models zu erforschen. Ihr Bruder John berichtet gleich im ersten Gespräch, dass ihre Eltern alle drei Kinder adoptiert hatten, neben John und Lula auch Charlie, mit dem Strike als Kind befreundet gewesen war. Er war als Zwölfjähriger bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen. Nach Charlies Tod hatte die Familie Lula adoptiert.

Modelleben

Lula lebte zum Zeitpunkt ihres Todes eigentlich ihren Traum und verdiente damit ein Vermögen. Zu ihrem Leben gehörten eine Model-Freundin, ein drogensüchtiger Schönling als Lover, ein schwuler Modeschöpfer als Freund und scheinbar auch eine Unbekannte, die sie während einer Therapie kennengelernt hatte. Denn Lula hatte psychische Probleme, weshalb auch die Theorie des Selbstmords so gut passte.

Tolle Technik, aber wenig Seele

Robert Galbraith (ein Pseudonym von Joanne K. Rowling) lässt den Leser sehr detailliert an allen Ermittlungen teilhaben – manchmal ein wenig zu detailliert. Wobei sich die Details auf die Fakten beziehen, die Äußerlichkeiten, wie bei einem Puzzle werden nach und nach alle Teile auf den Tisch gelegt. Das Zusammensetzen kann der Leser versuchen, Strike lässt sich nicht in die Karten schauen, bis er ganz zum Schluss dem Mörder die Auflösung präsentiert. Ein Krimi ganz in der Tradition von Agatha Christie, spannend, keine Frage, aber ich hätte mir gewünscht, dass die vielen psychologischen Untiefen auch Raum im Krimi gefunden hätten. So wirkte er auf mich trotz aller Fakten und logischen Kombination ein wenig „mechanisch“, tolle Technik, aber wenig Seele.

Robert Galbraith. Der Ruf des Kuckucks. München: Blanvalet, 2013. | The Cuckoo’s Calling. London: Sphere/Little, Brown Book Group, 2013. (Cormoran Strike 1)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

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