Lieblingsbücher, Schweden, Thriller

Lina Bengtsdotter. Hagebuttenblut – Charlie Lager 2 (2020)

Kommissarin Charlie Lager ermittelt in ihrem Heimatort Gullspång wieder im Fall eines verschwundenen Mädchens: Bereits von vielen Jahren ist die reiche Francesca Mild spurlos verschwunden. Ein Fall, den die Polizei damals schnell zu den Akten gelegt hatte. Und den Charlie jetzt auch nur privat wieder aufgreifen kann – aufgreifen muss, denn sie ist sich sicher, dass sie selbst irgendwie verstrickt ist …

Nachdem die junge Stockholmer Kommissarin Charlie Lager auf der Suche nach der verschwundenen Annabelle wieder in ihrem Heimatort war, sind weitere Wunden aufgebrochen. Sie verbeißt sich in die Arbeit, ihr Chef möchte sie gerne in Urlaub schicken. Bevor er dies zwangsweise tun kann, erreicht Charlie ein Hilferuf ihrer gerade wiedergefundenen Jugendfreundin Susanne – und sie erfährt, dass in der Nähe von Gullspång schon Jahre zuvor ein Mädchen spurlos verschwunden war: Francesca. Der Artikel, der ihre Aufmerksamkeit auf diesen alten Fall lenkt, hat ausgerechnet Johan geschrieben, der Journalist, der Charlie in ihrem vorherigen Fall zum Verhängnis geworden war.

Charlies Mutter

Immer ihre eigene Mutter vor Augen fährt Charlie also wieder nach Gullspang und kümmert sich um ihre Freundin und vor allem deren vier Söhne. Doch die Nachforschungen zum Fall Francesca sind für sie mindestens ebenso wichtig, fühlen sich für sie sehr persönlich an. Und wecken Erinnerungen: Als kleines Kind hatte sie mit ihrer Mutter an der Tür von Francescas Familie geklopft – warum, hat Charlie da noch nicht verstanden. Aber jetzt treibt sie auch die Angst an, noch einen schwarzen Fleck mehr auf der Seele ihrer Mutter zu finden.

Francesca

Francesca kommt in diesem Thriller auch ausgiebig zu Wort, sie hat einen eigenen Erzählstrang erhalten. Darin erzählt sie von ihrer Überzeugung, dass ihr bester Freund Paul keinen Selbstmord begangen hat, sondern von Gleichaltrigen ihrer Internatsschule ermordet wurde. Doch niemand glaubt ihr. Wie ihr nie jemand geglaubt hat. Weil auch Francesca eine Außenseiterin in ihrer reichen Familie war mit dem Drang zur Rebellion – Lina Bengtsdotter gelingt hier wieder eine hervorragende Charakterdarstellung der 15-Jährigen, absolut überzeugend.

Wahrheiten

Im heutigen Gullspång stellt nicht nur Charlie Fragen, sondern auch Johan ist dort. Allerdings scheint er jemandem zu nahe gekommen zu sein, denn eines Abends ist er einfach verschwunden … Und mit der Aufklärung von Francescas Verschwinden hat Charlie zwar ein Rätsel gelöst und auch noch etwas über sich selbst erfahren, aber ob das mehr Ruhe in ihr Leben bringt, ist mehr als fraglich. Und es soll ja auch noch einen dritten Teil mit Charlie Lager geben, auf den sich alle Krimifans nach diesem hochklassigen Thriller freuen dürfen!

Highlight in der Krimischwemme

Autorin Lina Bengtsdotter sind auch in diesem zweiten Teil hervorragende Charaktere (tasächlich besonders die weiblichen) gelungen, der heruntergekommene Ort mit seinen resignierten Bewohnern, die kaputte Protagonistin – das alles ist so eindringlich und lebendig geschildert, dass es eine wahre Freude ist. Auch an Spannung fehlt es nicht, mich jedenfalls hatte der Sog direkt auf den ersten Seiten erfasst und dann nicht mehr losgelassen. Eindeutig ein Highlight in der Krimischwemme!

Lina Bengtsdotter. Hagebuttenblut. München: Penguin 2020. | Original: Francesca. Stockhom: Bokförlaget Forum, 2018. (Charlie Lager 2)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Mehr zur Autorin und ihren Thrillern auf der Autorenseite Lina Bengtsdotter.

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