Deutschland, KrimiLiebe

Ellen Sandberg. Die Vergessenen (2017)

Der Mord an Behinderten und psychisch Kranken in einer Pflegeanstalt 1944 wird in diesem Roman spannend noch einmal thematisiert.

Dr. Karl Landmann war 1944 verantwortlich für die perfiden Tötungen, das fand die junge Krankenschwester Kathrin damals schnell heraus. Gemeinsam mit einem Medizinalpraktikanten dokumentierte sie einige der Morde, doch sie wurde auch zur Geliebten von Landmann. Aktuell ist es Kathrins Nichte Vera Mädler, eine Journalistin, die auf diese Sache aufmerksam wird. Sie arbeitet zwar bei einer Frauenzeitschrift, aber ihr Ehrgeiz liegt woanders.

Massaker in Griechenland

Zweite treibende Kraft in der Aufdeckungen eines hochspannenden Falles ist Manolis, der Sohn eines Griechen, der zweifelhafte Aufträge für einen Anwalt ausführt. Manolis leidet auch unter Übergriffen von NS-Soldaten, selbst wenn er das Trauma quasi von seinem Vater übergestülpt bekam. Denn dessen ganze Familie war von den Soldaten grausam ermordet worden. Gerechtigkeit habe es nie gegeben, die Massaker seien als normale Kriegshandlungen eingestuft worden.

Spurensuche

Das hat zum einen dazu geführt, dass Manolis gelegentlich das Recht in seine eigenen Hände nimmt, zum anderen dazu, dass er einen ehemaligen Euthanasiearzt nicht davonkommen lassen will. Denn Manolis bekommt den Auftrag, ein „Dossier“ zu besorgen, das Veras Cousin Chris irgendwo versteckt habe. Chris ist dramatisch verschuldet – und Tante Kathrin sollte wohl aushelfen, als sie ein Schlaganfall ereilte. Weshalb Vera auch alleine Nachforschungen anstellt und die Tante nicht fragen kann.

Hochspannung mit Geschichtslektion

Die Überlebenden der NS-Zeit sterben langsam aus und damit auch die Möglichkeiten, im Rahmen eines so spannenden Romans noch einmal auf die Ungeheuerlichkeiten der Zeit aufmerksam zu machen. Hier ist es der Autorin ganz fantastisch gelungen, alles wirkt äußerst authentisch und beruht zum Teil auch durchaus auf historischen Ereignissen. Allerbeste Unterhaltung also: Hochspannung mit Geschichtslektion.

Bei dem Pseudonym „Ellen Sandberg“ hätte ich eher auf leichte Unterhaltung getippt, es klingt ein bisschen nach Kitsch. Wie gut, dass ich mich getäuscht habe!

Ellen Sandberg. Die Vergessenen. München: Penguin Random House, 2017.

Mehr zur Autorin und ihren Büchern auf der Autorinnen-Seite Inge Löhnig.

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