Cozy, Frankreich, Krimis

H. K. Anger. Ein Bistro in der Bretagne (2022)

Sophie Vidal, Deutsche mit französischen Wurzeln, nimmt einen Job als Köchin in einem bretonischen Bistro an. Eigentlich nur, weil sie einen Mord aufklären will, doch die Arbeit gefällt ihr ebenso gut wie ihre neuen Freunde im Norden der Bretagne.

Sophie, frisch getrennt von ihrem untreuen Gerd, reist in die Bretagne zur Beerdigung ihrer besten Freundin Mado. Erquy und die Menschen dort sind ihr also nicht ganz fremd, seit ihrer Schulzeit hat sie Mado immer wieder besucht. Beim Leichenschmaus (welch schreckliches Wort) im Bistro „Chez Léon“ stirbt der Lehrer Tangi ganz plötzlich, er war ein Verehrer Mados, den sie allerdings nicht ganz ernst genommen hat. Muschelvergiftung? Seit vor Kurzem Léon gemeinsam mit seinem Vater bei einem Bootsunglück ums Leben kam, ist die Küche des Bistros nicht mehr so gut wie früher.

Es war Mord

Es zeigt sich allerdings, dass Tangi ein gebrochenes Genick hat – wie konnte das während des Essens passieren? Dass es Mord war, ist auf jeden Fall klar. Und erster Verdächtiger des zuständigen Kommissars – der allerdings im Roman nicht in Erscheinung tritt – ist der Ex-Mann Mados, Simon. Als Sophie das erfährt, beschließt sie spontan, dass ihr Scheidungschaos in Deutschland ohne sie auskommen muss, und nimmt das Angebot Dafnes an, gegen Kost und Logis im „Chez Léon“ die Küche zu übernehmen. Begeisterte Köchin ist sie, allerdings nur von vegetarischen Köstlichkeiten, doch für die Fleischgerichte gibt es ja noch Filip.

Einschüchterungsversuche

Gemeinsam mit Filip und Dafne, Doktor Bonnet und Polizist Ronan versucht Sophie, den Mord an Tangi aufzuklären. Als überzeugter Naturschützer ist Tangi mit einigen Leuten aneinandergeraten, hart genug für einen Mord? Ein paar Tage später findet Sophie am Strand eine weitere Leiche, ein Pariser Fischgroßhändler. Können die beiden Morde zusammenhängen? Irgendwie scheinen Sophie und ihre Freunde auf einer richtigen Spur zu sein, denn eines Abends kommt ein Vermummter in Sophies Küche und bedroht sie. Sie hat einen sehr dubiosen Unfall mit dem Auto …

Vietnamesische Verwicklungen

Parallel erzählt die Autorin von der Vietnamesin Linh, die gerade ein Austauschsemester in Brest verbringt und auf der Suche nach einem vermissten Freund in die Region kommt. Dabei ist ihr klar, dass sie es mit gefährlichen Gegnern zu tun hat, trotzdem wird es gefährlich für sie.

Verbesserungspotenzial

Wenn man als Kochbuchautorin einen Krimi schreibt, muss wohl ein großer Schwerpunkt auf den kulinarischen Genüssen liegen. Aus Sophies Küche kommen immer die leckersten Gerichte und die Rezepte am Ende des Buches fehlen auch nicht. Angers Erzählweise ist sehr flüssig, der Fall an sich ganz interessant, nur an einigen Stellen scheinen sich Lücken aufzutun, die nicht so ganz plausibel rüberkommen. Dann wird die an sich angenehme Lektüre zwischendurch auch ein bisschen belanglos und Gelegenheiten zum Spannungsaufbau werden leider versäumt. Doch das sind auch Punkte, an denen die Autorin lernen und sich weiter verbessern kann, denn die gute Grundlage ist auf jeden Fall vorhanden.

Und für Bretagne-Fans ist der Krimi auf jeden Fall ein Genuss!

H. K. Anger. Ein Bistro in der Bretagne. Meßkirch: Gmeiner Verlag, 2022.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

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