Italien, Unterhaltung

Kirsten Wulf. Signora Sommer tanzt den Blues (2020)

Was kommt dabei heraus, wenn man eine untröstliche deutsche Witwe, eine lebenslustige italienische Blues-Sängerin und eine amerikanische Studentin gemeinsam in einen geschichtsträchtigen römischen Palazzo steckt? Eine federleichte, warmherzige Geschichte über Neuanfänge und die Liebe zum Leben, zu Italien und natürlich zum Blues.

Laura Sommer, eine deutsche Lehrerin in ihren 50ern, hatte den Neuanfang in Rom gewagt, war zu ihrer Liebe Fabio gezogen, die Hochzeit war geplant. Fabios überraschender Tod hat Laura den Boden unter den Füßen weggezogen, sie versinkt in einer tiefen Depression. Die riesige Wohnung im römischen Palazzo gehört Fabios Familie, als Beinahe-Schwiegertochter darf Laura bleiben. Die Erinnerungen hocken dunkel in jeder Ecke.

Francesca

Bis eines Nachts überraschend Fra auftaucht. Sie ist die Mieterin der Wohnung unter Lauras, ein Wasserrohrbruch durchweicht sogar Fras Bett, sodass sie mitten in der Nacht kurzerhand bei Laura unterkriecht. Die ist völlig überrumpelt, hat keine Energie, sich zu wehren, auch wenn sie den ungebetenen Gast dringend loswerden will. Aber der lebenslustigen Fra, Eisverkäuferin und Bluessängerin, gefällt die riesige Wohnung und sie beschließt, das Leben zu Laura zurückzubringen. Fra hatte der Blues aus einer Krise geholfen und sie ist sicher, dass das auch bei Laura funktionieren wird. Nicht Blues singen, sondern: tanzen!

Samantha

Dass Fra ein Zimmer ihrer kleinen Wohnung untervermietet hat, hat sie schon vergessen, als die amerikanische Studentin Samy plötzlich vor der Tür steht. Aber in Lauras in Wohnung ist ja noch Platz und so quartiert Fra sie kurzerhand dort ein. Laura hat keine Chance sich zu weigern und so langsam gefällt es ihr, ein wenig Leben um sich zu haben. Außerdem ist Samy meistens zwanghaft mit ihrer eigenen Selbstoptimierung beschäftigt, putzt und spült dafür aber ohne viele Worte. Allerdings ist Samy auch shoppingsüchtig und ihr Zimmer platzt bald aus allen Nähten. Und sie ist eine eifrige Instagramerin, die ihr Leben inszeniert für Klicks und Follower. Konfliktpotenzial …

Blues

Nicht nur Fra und bald auch Laura tanzen den Blues, sondern die große Wohnung hat auch schon vor Jahrzehnten leidenschaftliche Tänzer gesehen. Ein zweiter Erzählstrang ist mit dem ersten verwoben, wer erzählt, stellt sich im Laufe des Romans heraus, und bestimmt verrate ich nichts Unerwartetes, wenn ich sage, dass es ein Happy End gibt und sich diverse offene Wunden schließen. Auf dem Weg dahin wird viel Blues gesungen und getanzt, vor allem im kleinen Club BluNight, Laura findet mit seiner und Fras Hilfe zurück ins Helle, in ein Leben unter italienischer Sonne.

Warmherzige Ode an den Blues

Der Inhalt des Romans bietet viel Potenzial für Kitsch und Klischees – aber Kirsten Wulf erzählt so wunderbar leicht, dass sie diese Klippen weitestgehend umschifft. Stattdessen bietet der Roman warmherzige Charaktere, die tatsächlich noch lernfähig sind und nicht zu egoistisch, um sich um ihre Freunde zu kümmern. Außerdem ein faszinierendes Rom und herzliche italienische Lebensart. Da spielt es keine Rolle, dass die Handlung an manchen Stellen unrealistisch oder höchst unwahrscheinlich ist. Kirsten Wulf entführt uns federleicht in einen italienischen Traum voller Musik. Blues natürlich. Gelungene Unterhaltung für die Sommerferien!

Kirsten Wulf. Signora Sommer tanzt den Blues. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2020.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

Mehr zur Autorin und weitere Titel von ihr auf der Autorenseite Kirsten Wulf.

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