Frankreich, Krimis

Sophie Bonnet. Provenzalischer Sturm – Pierre Durand 8 (2021)

Pierre Durand, Chef de police municipal im beschaulichen Saint-Valérie, hat sich für seinen Heiratsantrag eine besondere Location ausgesucht: das malerische Schloss-Hotel eines befreundeten Hoteliers. Da im Hotel gerade eine Kochshow aufgenommen werden soll, bekommt das Paar einen großzügigen Rabatt. Dass auch die beiden Väter an dem romantischen Wochenende teilnehmen sollen, war bestimmt nicht Pierres Idee. Aber das bleibt nicht das einzige Problem.

Das romantische Schloss-Hotel liegt in der Nähe von Châteauneuf-du-pape und der Wein(-anbau) spielt eine große Rolle. Das sorgt für Gourmet-Menüs, bei denen einem auch beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft, aber auch für viel Arbeit für die Winzer – und Neid. So geht in der Gegend das Gerücht um, dass der Tod des Winzers Christophe kein Unfall war, er wollte sein Weingut an chinesische Investoren verkaufen, wogegen die örtlichen Winzer heftig protestiert hatten. Als auch sein Freund und Makler kurz darauf bei einem Unfall ums Leben kommt, wird der Zufall schon ziemlich strapaziert.

Zwei Väter – zwei Welten

Von all dem wissen Durand und seine Lebensgefährtin Charlotte nichts, als sie im Hotel ankommen. Einen Moment lang können sie sogar die romantische Kulisse genießen, bevor die Verwicklungen beginnen. Da ist zunächst Pierres Vater Alain, der schon am ersten Abend anreist, den das Paar eigentlich für sich haben wollte. Und der sich, charmant und hartnäckig, einfach nicht vertreiben lässt. Charlottes Vater kommt erst am nächsten Morgen, aber mit dem steifen Deutschen und „Lebemann“ Alain prallen zwei Welten aufeinander. Wortwörtlich.

Unfall oder Mordversuch?

Nachdem Durand also seinen Heiratsantrag noch einmal verschoben hat, bringt ihn der Trubel der Kochshow nicht mal wirklich aus der Ruhe. Als allerdings eine Köchin ausfällt, soll Charlotte kurzerhand einspringen. Eine große Chance für ihre kulinarischen Ambitionen. Doch noch bevor sie richtig loslegen kann, erleidet sie einen Stromschlag – jemand hatte den Herd präpariert. Durand ist geschockt, Charlotte erholt sich im Krankenhaus, aber Durand will natürlich wissen, wer ihr das angetan hat, an einen Unfall glaubt er nicht. Hatte er doch kurz zuvor die eigentliche Teilnehmerin gehört, die einen Anschlag auf ihr Leben befürchtete. Doch als er sie danach fragt, leugnet sie das Gespräch, das Durand aus ihrem Zimmer gehört hatte.

Ermittlung mit Vätern

Doch als Durand von den anderen beiden Unfällen erfährt, vermutet er einen Zusammenhang und dass es sich bei allen drei Fällen um Morde bzw. Mordversuch handelt. Der zuständige Ermittler sieht keine Hinweise auf Mord, also macht Durand sich selber an die Arbeit. Da ist zunächst das Filmteam, das nicht gerade ein Bild der Harmonie präsentiert. Die beiden anderen Köche könnten auf den Sieg bei der Kochshow spekuliert haben. Der Juror, ebenfalls ein bekannter Koch, hat scheinbar eine Affäre mit der Köchin, die als dritte vorgesehen war, was beide aber unbedingt geheim halten wollten. Doch was haben die Fernsehleute mit einem hiesigen Winzer zu tun? Es muss noch eine andre Geschichte geben, die Durand unbedingt erfahren will. Dass er bei seinen heimlichen Ermittlungen auch noch die beiden Väter an der Backe hat, ist ihm zwar nicht recht, aber unvermeidlich.

Provenzalisch-kulinarische Unterhaltung

Zur Abwechslung mal völlig ohne offizielle Funktion, sondern von privaten Interessen geleitet ermittelt Durand in einem fremden Revier. Keine offiziellen Verhöre, keine Durchsuchungen, sondern Urlaubsfeeling und ein paar Gespräche, ein paar Recherchen von Assistent Luc in Saint-Valérie … natürlich ist der Fall am Ende aufgeklärt, Charlotte darf aus dem Krankenhaus, Durand hat den zukünftigen Schwiegervater schätzen gelernt und sich mit seinem eigenen Vater gezofft – ja, in diesem Krimi ist auch im Privatleben des Ermittlers einiges los. Das passt aber hervorragend zur Story, ein rundum gelungenes Setting für diesen Krimi, der einfach bestens unterhält. Wobei mir die beiden Väter am besten gefallen haben, die so völlig verschieden sind und den Krimi mit Leben füllen. Also auf zu einem (Lese-)Wochenende nach Châteauneuf-du-pape! Rotwein und ein paar provenzalische Leckerbissen sollte man dabei zur Hand haben.

Sophie Bonnet. Provenzalischer Sturm. München: Blanvalet, 2021. (Pierre Durand 8)

Mehr zur Autorin und ihrer Krimiserie auf der Autor:innen-Seite Sophie Bonnet.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

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