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Jean-Luc Bannalec. Bretonische Idylle – Kommissar Dupin 10 (2021)

In Concarneau wird eine Leiche gefunden und Kommissar Dupin und sein Team sind wieder gefordert: Dieses Mal ermitteln sie auf der wunderschönen Belle-Île-en-Mer. Die Insel könnte eine echte bretonische Idylle sein, aber der Ermordete hat allen seinen Mitmenschen das Leben schwer gemacht. Doch bei wem war das Motiv so stark, dass es ihn zu einem Mord getrieben hat? Dass Assistentin Nolwenn gerade ein großes Fest zu Dupins Zehnjährigem in der Bretagne vorbereitet, kann der Kommissar da mit Leichtigkeit ignorieren.

Mit dem Strand direkt vor der Haustür steht einer morgendlichen Runde Schwimmen in diesem heißen August nichts im Weg. Kommissar Georges Dupin, inzwischen seit zehn Jahren in der Bretagne, hat dabei sogar Gesellschafft – von einer Robbe. Die wundersame Begegnung weiß er zu schätzen, den unerwarteten Todesfall nicht wirklich. An einer Boje haben Fischer die Leiche eines Mannes gefunden. Patric Provost lebte auf der Belle-Île und hatte am Abend zuvor seinen Onkel auf dem Festland besucht. Bei dem alten Herrn ist kein Motiv zu finden, aber es stellt sich heraus, dass Provost nicht nur der König der Schafzucht auf der Insel war, sondern auch viele Immobilien und Grundstücke sein Eigen nannte.

Das Dorf des Opfers

Es lässt sich nicht vermeiden, Kommissar Dupin muss mal wieder auf ein Boot, doch das bereits bekannte Schnellboot der Polizei bringt ihn zur Insel. Die unbezahlbare Assistentin Nolwenn hat von Concarneau aus bereits Autos gemietet, die Inselpolizei unterstützt Dupins kleine Truppe und die Ermittlungsarbeit beginnt inmitten einer bretonischen Idylle. Die auch Dupin durchaus immer wieder bemerkt, wenn er auch zu den Getriebenen gehört, bis ein Mordfall aufgeklärt ist. Das Team beginnt im Weiler Islonk, in dem Provost lebte, auch alle anderen Häuser dort gehörten ihm. Und niemand macht einen Hehl daraus, dass es mit Provost eigentlich nur Ärger gab.

Mitbewohner – Täter?

Eine pensionierte Lehrerin, die als glühende Verehrerin von Sarah Bernhardt deren ehemaliges Haus auf der Belle-Îles erweitern will; ein Wirt mit einer Leidenschaft für Wiskey und seine Frau, die Keramik herstellt; ein Kapitän, der dann auch noch entführt wird; Provosts Ex-Frau, Provosts Schäfer mit seiner Lebensgefährtin und ein Menhir-Forscher – eine bunte Mischung von Menschen, die eigentlich alle Pläne hatten, denen Provost in irgendeiner Art im Weg stand. Aber alle haben Alibis, auch die Bürgermeisterin von Bangor, die – wie sich herausstellt – vom Erbe Provosts am meisten profitiert.

Intensiver Genuss

Auch der zehnte Band ist wieder ein „typischer Bannalec“, der mit der intensiven Art der Ermittlung Dupins so viel Nähe schafft, dass man als Leserin auch die Liebe zur Bretagne hautnah miterleben kann. Man folgt dem spannenden Fall, schwitzt in der Augusthitze, saust mit Dupin im klapprigen Cabrio über die Insel und sieht mit seinen Augen die wunderschöne Natur auf der Insel, die vielen Farben von Meer und Himmel, von Strand und Felsen. Denn trotz des kniffligen Falles hat Dupin dafür immer noch einen extra Blick, genießt er einen Moment die Natur und ordnet seine Gedanken. Privatleben gibt es hier während einer Ermittlung eigentlich nicht, das kommt dem Fall also auch nicht in die Quere. Aber die Bretagne ist auch in Bannalecs zehntem Fall wieder so wunderbar in Szene gesetzt, dass das „Bretagne-Weh“ genauso intensiv wird, wie dieser Krimi-Genuss!

Jean-Luc Bannalec. Bretonische Idylle. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2021. (Kommissar Dupin 10)

Mehr zum Autor und zu seinen Bretagne-Krimis auf der Autor:innenseite Jean-Luc Bannalec.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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