Frankreich, Krimis, Regionalkrimis

Jean-Luc Bannalec. Bretonische Nächte – Kommissar Dupin 11 (2022)

Auch in diesem Oktober ist es in der Bretagne noch hochsommerlich warm – dazu passen die düsteren Todesvorzeichen gar nicht, die die Tante von Inspektor Kadeg natürlich völlig ernst nimmt. Ebenso wie alle Bretonen. Kurz darauf stirbt sie tatsächlich und dann wird auch noch Kadeg niedergeschlagen! Zwar in der Nord-Bretagne, aber das spielt in so einem Fall keine Rolle.

Gerade erst hatte Inspektor Kadeg seinen Kollegen von den Todesvorzeichen berichtet, da stirbt seine Tante auch schon. Sie wurde abends im Liegestuhl auf ihrer Terrasse gefunden, friedlich eingeschlafen. Als Kadeg am nächsten Abend dem Anwesen der Tante, Joëlle Contel, einen sentimentalen Besuch abstattet, wird er niedergeschlagen und verletzt. Am nächsten Morgen findet ihn der Gärtner und Kadeg kommt in eine Klinik in Brest.

Abbaye des Anges am Aber Wrac’h

Natürlich setzt sich das ganze Team sofort in Bewegung: Kommissar Dupin, die unentbehrliche Assistentin Nolwenn und Kollege Inspektor Riwal. Nolwenn schlägt ihr Hauptquartier in der Klinik auf und hat schon längst mit dem Präfekten geklärt, dass Dupin in diesem Departement ermitteln darf. Gemeinsam mit Commandante Carman und ihrem Team von der örtlichen Polizei. Am Tatort erlebt Dupin dann eine Überraschung, denn Kadegs Tante Joëlle lebte in der ehemaligen Abbaye des Anges am Aber Wrac’h, die sie mit viel Geld und Aufwand liebevoll restauriert und in ein kleines bretonisches Paradies verwandelt hatte. (Die Abbaye gibt es dort wirklich, ein Blick auf die Homepage kann denen helfen, die noch keine so genaue Vorstellung von der Bretagne haben!)

Auf den Spuren der Vögel

Was Kadeg zu einem reichen Erben macht – gemeinsam mit seinem Onkel Victor Contel und dessen Sohn Maxime sowie Rozenn Gaultier, Schwester der Verstorbenen, und deren Tochter Sophie. Die Frauen der Familie verband die Liebe zu Vögeln, die Gaultiers sind Ornithologinnen und Joëlle widmete sich dem sehr begeistert als Hobby. In ihrem Haus hatte die Verstorbene den Vögeln ein großes Zimmer eingerichtet mit Hunderten Büchern und Fotos. Als die Polizei feststellt, dass aus dem jüngsten Notizbuch mit Vogelbeobachtungen einige Seiten sorgfältig herausgetrennt wurden, scheint es eine erste Spur zu geben.

Ermittlungen auf Bretonisch

Für diesen 11. Band der Serie hat Kommissar Dupin das heimatliche Concarneau im Süden der Bretagne wieder einmal verlassen und stellt fest, dass der Norden auch seinen – so ganz anderen – Reiz hat. Viel Wind, viel mehr Atlantik-Gefühl, viel rauer. Und wieder einmal liest man hier nicht nur einen guten und spannenden Krimi, sondern kann tief eintauchen in die Besonderheiten und Eigenarten der Bretagne. Inspektor Riwal ist ja Dupins wandelndes Bretagne-Lexikon, auch wenn Dupin vor allem die Dinge liebt, die er selber sehen oder fühlen kann, wie die farbenprächtigen Sonnenuntergänge über dem Meer oder die frischesten Meeresfrüchte.

Liebeserklärung an die Bretagne

Und so ist auch dieser Krimi wieder vor allem eine wunderbare Liebeserklärung an die Bretagne, die man nach der Lektüre sofort unterschreiben würde! (Bloß wie bekommt man dort einen Job, wenn man sich nicht von Paris dorthin versetzen lassen kann???)

Jean-Luc Bannalec. Bretonische Nächte. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2022. (Kommissar Dupin 11)

Eine Liste aller Titel auf der Autorenseite Jean-Luc Bannalec.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar via NetGalleyDE!

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