Europa, Science Fiction

Tom Hillenbrand. Drohnenland (2014)

Im Europa einer nicht allzu fernen Zukunft wird ein EU-Parlamentarier ermordet. Kommissar Westerhuizen wird mit der Aufklärung des Falles beauftragt, doch er gehört zu denen, die sich nicht mit einfachen Lösungen und Offensichtlichem zufriedengeben. Was dann allerdings beinahe ihm und Europa zum Verhängnis wird …

Kurz vor der Abstimmung über eine neue Verfassung für die Europäische Union – die sich allerdings ein wenig anders zusammensetzt als heute – wird ein Mitglied des Parlaments ermordet. Kommissar Arthur van den Westerhuizen wird zum Tatort gerufen, einer abgelegenen Wiese weit vor der Stadt. Hier werden von den allgegenwärtigen Drohnen keine Aufnahmen gemacht, die Datenlage zur Aufklärung des Verbrechens ist also nicht optimal. Doch die digitale Forensik, in Gestalt von Westerhuizens attraktiver Analystin Ava, in Verbindung mit dem allwissenden Computer Terry macht so einiges möglich. Welche neuartige Waffe wurde verwendet, wer könnte Zugang haben, wie verlief die Schusslinie? Mithilfe einer „Hypnosedroge“ können sich Aart und Ava in einer digitalen „Spiegelung“ des Tatortes bewegen, die aus den vielfältigen Drohnenaufnahmen nach der Tat konstruiert wird. Das ist immerhin so real, dass sich Aart auf denselben Ast setzen kann, auf dem der Schütze gesessen haben muss. – Erst später stellen Aart und Ava fest, dass der Baum bereits vor Jahren gefällt wurde! Jemand muss also die Daten im zentralen Computer manipuliert haben!

Schöne neue Welt – eher nicht

In Drohnenland hat Autor Tom Hillenbrand bereits einige Features angelegt, die er in Hologrammatica und Qube dann noch meisterhafter ausgearbeitet hat. Aber schon hier finden sich interessante Gedankenexperimente: Zum Beispiel ist der Meeresspiegel bereits so weit gestiegen, dass die Niederlande praktisch abgesoffen sind. Allerdings regnet es seit Monaten, das mit der Erwärmung hat sich noch nicht so ganz durchgesetzt (Brüssel hat deswegen überdachte Bürgersteige). Die Computertechnik hat Fortschritte gemacht in Richtung Künstliche Intelligenz, Papier ist quasi abgeschafft zugunsten von „Medienfolien“, der Einsatz von Drohnen in vielfältigen Formen und Größen soll das Leben einfacher und sicherer machen, der Datenschutz wird nicht so eng gesehen, Geheimdienst und Polizei freut’s. Portugal und Brasilien sind aktuell die reichsten Länder, Separatisten agieren vielerorts, so gehört z. B. Süditalien nicht mehr zur EU.

Interessant und hochspannend

Vor diesem interessanten Hintergrund erzählt Tom Hillenbrand einen hochspannenden Krimi, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. An Hologrammatica und Qube reicht Drohnenland zwar noch nicht ganz heran, aber trotzdem eine überaus gelungene Fingerübung!

Drohnenland wurde ausgezeichnet mit dem Friedrich-Glauser-Preis und dem Kurd-Laßwitz-Preis 2015 als bester Roman.

Tom Hillenbrand. Drohnenland. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014.

Mehr zum Autor und seinen Krimis auf der Autorenseite Tom Hillenbrand.

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